Fortsetzung "Zu viel zu sehen, zu wenig Zeit."

Freitag, 18.12.2015

(Habe dann anscheinend auch mal die maximale Zeichenzahl überstiegen. Hier also meine Schlussworte :-P)

Während meiner Zeit dort musste ich allerdings mein Diario de Campo, mein Lerntagebuch fürs Praktikum fertigstellen, und das gestaltete sich schwierig. Ich musste all meine Beobachtungen festhalten, Schwierigkeiten und Erfolge, Aktivitäten qualitativ beschreiben und alles reflektieren. Auf Spanisch war das eine richtige Herausforderung.

Umso schöner ist es, dass ich heute eine Mail von meinem Professor bekommen habe, der mir mitgeteilt hat, dass ihm mein Lerntagebuch sehr gut gefällt und dass ich so weitermachen soll. Und dass mein Spanisch sich sehr gut lesen würde. Yeeesssssssss!)

Die Zeit ging schnell vorbei, aber die Mädels müssen sich jetzt auf ihren Abschied vorbereiten, denn für sie geht mit Beginn der Weihnachtsferien ihr Erasmus-Aufenthalt schon zu Ende.

Ich freute mich dann auch, wieder in Sevilla zu sein; ich liebe die Stadt jedes Mal von Neuem, sie begeistert mich und macht mir gute Laune. Das Wetter ist immer noch wunderbar, die Sonne scheint, es ist mild und die Tage sind um einiges länger als in Dänemark (wo es gerade schon um 16 Uhr dunkel wird.)

Ich habe seit meiner Rückkehr viel gearbeitet, aber auch viel Spaß mit Chiara und ihren baldigen neuen Mitbewohnern gehabt. Wir waren zusammen Feiern und hatten viel Spaß.

 

Gestern waren dann noch Elena und ihre Mitbewohnerin Diana zum Essen bei uns (habe zum ersten Mal selber Semmelknödel gemacht; waren zwar nicht so gut wie die von meiner Oma, aber für den Anfang nicht schlecht), so als Abschied, bevor sich jeder über Weihnachten Richtung Heimat aufmacht. Und nach den Ferien wird auch schon alles nicht mehr so sein wie vorher, da Chiara im Januar in eine andere WG zieht, die näher am Stadtzentrum ist. Ich kann sie gut verstehen, aber es wird trotzdem komisch sein, in den letzten drei Wochen ohne sie zu wohnen. Wir haben uns über die Zeit hier so gut verstanden, sie war eine tolle Mitbewohnerin und ist in dieser Zeit auch fast wie eine Freundin für mich geworden, falls man von Freundschaft nach so einer kurzen Zeit sprechen kann. Auch Elena ist mir ans Herz gewachsen; ich weiß jetzt schon, dass ich alle ihre Gespräche (die manchmal wirklich lang dauern können :-P), ihre manchmal spezielle Art, Witze zu machen (seeehr speziell manchmal), ihren Tatendrang („Come on, let’s go swim/run/cook a NutellaLavaChocolateIamGonnaDieAfterThatCupcake/take a lot of pictures etc.etc.“)und ihre verrückten Ideen (wie damals, als ich ihre frisch adoptierte Babykatze verbotenerweise in meiner Wohnung versteckt habe, während gerade an diesem Abend die Nachbarn zum Essen da waren und Elena und ich uns dann in dem Versuch, Deutsch als unsere Geheimsprache zu sprechen, unscheinbar lächelnd darüber ausgetauscht haben, wie wir das Miauen nach Aufmerksamkeit seitens der Babykatze in meinem Zimmer übertönen könnten, ohne seltsam zu wirken, da besagte Nachbarn uns zu diesem Zeitpunkt schon ein paarmal gefragt hatten, ob irgendwas nicht stimme und wo das seltsame Geräusch herkäme) vermissen werde.

  :-)

Heute hatten wir in den Gemeinschaftsräumen der Residenz noch ein Weihnachtsessen, bei dem jeder etwas mitgebracht hat. Es gab viel typisch spanisches Essen (so zum Beispiel sehr sehr leckere Paella und Tortilla Española) und Chiara und ich haben mit den anderen Studierenden der Residenz geplaudert.

Die Zeit hier vergeht so schnell…ich weiß nicht, wo all die Wochen geblieben sind. Natürlich freue ich mich jetzt erstmal auf zuhause, aber ich freue mich auch, dass es noch kein endgültiger Abschied ist und dass ich noch einmal zurückkehren werde nach Spanien.

 

Aber jetzt wünsche ich erstmal allen ¡Feliz Navidad y Próspero Año Nuevo!

 

Zu viel zu sehen, zu wenig Zeit.

Freitag, 11.12.2015

Nach langer Zeit melde ich mich mal wieder zurück. Der November ist unglaublich schnell vergangen ebenso wie die Tage im Dezember, sodass ich bereits in 3 Tagen die zwischenzeitliche Heimreise nach Deutschland antreten werde, um dort Weihnachten mit meiner Familie zu verbringen.

Ich habe unheimlich viel gesehen und erlebt und versuche es, wie immer, kurz zusammenzufassen.
Ein Ereignis vom Oktober, das mir sicher noch lang im Gedächtnis bleiben wird, war die Wanderung mit den ausländischen Studierenden aus den USA und einigen Spaniern. Nachdem Elena und ich es mit einem nervenaufreibenden Sprint noch rechtzeitig zum Bus geschafft hatten (der dann aber tatsächlich erst 40 Minuten nach regulärer Abfahrtszeit losgefahren ist, wir hätten es wissen müssen), fuhren wir zwei Stunden bis zu einem kleinen Ort im Gebirge bei Cádiz, wo wir erst eine Mühle besichtigten, um dann unser eigenes Brot zu backen. Während das Brot im Ofen war, machten wir uns auf zu unserer mehrstündigen Wanderung durch die Wälder und Gebirge Andalusiens. Es war ein Wanderpfad für Anfänger (zum Glück), der sich parallel zu einem kleinen Fluss zwischen den Bäumen hindurchschlängelte. Ich habe mich mit vielen Leuten unterhalten, unter anderem einem Spanier (Antonio), der in Deutschland sein Erasmusjahr gemacht hat. Er konnte sehr gut nachvollziehen, wie es sich anfühlt, viel über etwas nachzudenken aber nur wenig dazu sagen zu können, weil einem schlicht und ergreifend die Worte fehlen. Außerdem habe ich ein Mädchen namens Inma kennen gelernt, die das Reisen genauso sehr liebt wie ich.
Der Tag war wirklich schön und die Wanderung durch die Natur war eine nette Abwechslung zum städtischen Alltag. Andalusien bietet eine traumhafte Landschaft, die es sich zu erkunden lohnt. Und das Brot am Ende des Tages war mehr als lecker :-).

<3 Nette Gruppe :-) Einmalige Landschaft Andalusiens. In der Mühle.

 

Am 31. Oktober war dann Halloween angesagt. Chiara und ich haben viel Zeit in unser Makeup investiert und hatten uns auf eine Erasmusparty eingestellt, allerdings verlief der Abend dann etwas anders als geplant. Erst verpassten wir wegen der etwas spontanen Tussam Bus App den letzten Bus in die Innenstadt, dann kamen wir zu Fuß zu spät am Club an, wo bereits über 100 Leute nicht mehr reingelassen wurden. Die Leute, mit denen wir uns treffen wollten, waren bereits drin, und so beschlossen wir, uns einfach einen gemütlichen Abend im Park bei Prado de San Sebastian mit Shisha und Tinto zu machen. ;-)

Niiiice.

 

Nach diesem Wochenende begann für mich eine relativ anstrengende Zeit. Zum einen musste ich die erste Hausarbeit zum Thema "maltrato infantil" zusammen mit meiner Gruppe abgabefertig machen und ein Referat dazu vorbereiten, außerdem verbrachte ich viele Stunden in meinem Praktikum und hatte nebenbei noch eine weitere Hausarbeit mit meiner...nicht ganz so tollen Arbeitsgruppe, sowie einige Texte für ein drittes Fach zu übersetzen.
Mein Praktikum läuft zwar ganz anders, als ich es mir vorgestellt und erhofft hatte, aber ich würde trotzdem sagen, dass ich viel lerne. Ich werde teilweise mehr in Aktivitäten einbezogen (im Sinne davon, dass mir gesagt wird, dass sie stattfinden), allerdings muss ich mir innerhalb dieser Aktivitäten trotzdem noch meine Rolle suchen, denn mehr als „passive Beobachterin“ ist für mich meist nicht vorgesehen. Immerhin konnte ich in den letzten Wochen viele Gruppen von „Becarios“ (Studenten der Residenz mit dem Stipendium „Beca de Colaboración“) beobachten, die in den verschiedenen sozialen Organisationen des Viertels arbeiten. Dabei habe ich auch viele Dinge festgestellt, die hier gar nicht so gut laufen wie es nach außen verkauft wird, so zum Beispiel die Professionalität seitens der Sozialarbeiter der Residenz (die eigentlich zur Aufgabe hätten, die Studierenden in ihren jeweiligen Arbeitsbereichen zu unterstützen und mit ihnen ihre Projekte und Aktivitäten zu evaluieren, dies in der Praxis meist aber nur unzureichend tun), die Motivation der Becarios (einige bereiten ihre Projekte intensiv vor, andere…weniger) und die Zusammenarbeit mit den Fachkräften im Viertel. Ich hoffe, man versteht mich nicht falsch, ich finde das Projekt an sich eine tolle Idee und stehe vollkommen hinter dieser, allerdings finde ich, dass an der Umsetzung in manchen Punkten etwas geändert werden müsste. Ansonsten ist das Leben hier in der Residenz wirklich toll und Chiara und ich haben mittlerweile auch ein ganz gutes Verhältnis zu unseren Nachbarn, die wir auch schon zum Abendessen zu uns eingeladen haben. :-)

Durch die intensive Auseinandersetzung mit Fachtexten und die Vorbereitung von meinen Referaten sowie den Gruppenarbeiten hat sich mein Spanisch auch sehr verbessert (was mir sogar von mehreren Leuten bestätigt wurde und mich ziemlich stolz gemacht hat). Zwar kann ich mich immer noch nicht mit dem Subjuntivo anfreunden (ja genau, was zur Hölle ist das bitte) und die verschiedenen Vergangenheitsformen benutze ich eher spontan als nach den Regeln, aber hey, ich kann Unterhaltungen führen (und zwar über so ziemlich alles, wenn ich auch öfter mal Vokabel umschreiben muss) und verfalle nicht ständig in verlegenes Schweigen, weil ich total hilflos bin. Mehr als je zuvor ist mir bewusst geworden, was für eine wichtige Rolle neben Grammatik und Aussprache auch die Melodie der gesprochenen Sprache spielt. Ich kann zum Beispiel Spanisch sprechen, vielleicht sogar mal ohne Fehler, aber trotzdem „auf deutsche Art“, das heißt mit Pausen, Satzstellungen und Betonungen, die ich im jeweiligen Satz im Deutschen machen würde, die aber in der „spanischen Satzmelodie“ anders sind. Bei mir selbst ist es schwierig, herauszuhören, wann ich „deutsch-spanisch“ und wann ich eher „spanisch-spanisch“ spreche, aber es fällt mir zum Beispiel sehr bei Chiara auf, deren italienische Sprechweise (mit besonders langgezogener Endung des jeweils letzten Wortes im Satz) oft durchkommt. Ich finde das sehr interessant und es macht mir immer mehr Spaß, mich auf die spanische Sprache einzulassen und sie nicht nur zu sprechen, sondern auch zu leben. (Das führt allerdings nach langen Tagen, in denen ich nur Spanisch gesprochen habe dazu, dass ich beim Wechseln ins Englische oder Deutsche seltsame Satzkonstruktionen zusammenbastle oder mir irgendwelche komischen Mischwörter herausrutschen, die für niemanden Sinn machen.)

Ich habe mich in dieser Zeit Anfang November jedenfalls (meistens) auf die Uni konzentriert, da ich mir vom 11. bis 18. des Monats Freiraum schaffen wollte, denn: mein Freund kam mich ein weiteres Mal in Sevilla besuchen. <3 Zwar war es letztendlich so, dass wir beide in dieser Woche trotzdem viel arbeiten mussten, nichts desto trotz haben wir uns ein unvergleichbares Wochenende gemacht, durch unser beider großes Hobby: Reisen.

Freitags (13.11.) musste ich noch quasi den ganzen Tag arbeiten (morgens gab es eine technische Einführung der Gruppe DIME in das Projekt „Radio Abierta“ des Viertels, in der ich auch probeweise als Radiosprecherin fungieren durfte :-P („Rrrrrrrrrradio Abierta – la Voz de Polígono Sur!“); nachmittags begannen dann die „Jornadas de Formación“, eine Workshopreihe für die Becarios zu verschiedenen Themen, in der die andere Praktikantin Paula und ich einen „Kreativworkshop“ veranstaltet haben); und auch Samstags morgens war ich verpflichtet, an einem Vortrag vom Direktor Juan Blanco zum Thema „Die Rolle der Residenz im Viertel Polígono Sur“ teilzunehmen. Aber danach ging unsere Reise los.

Unterwegs <3.

Ich hatte mir viele Gedanken gemacht, wo wir in zwei Tagen hinfahren könnten, und so mieteten wir uns gegen Samstagmittag spontan ein Auto, was bei diesem ersten Mal auch schnell und problemlos funktionierte (jepp, aber nur beim ersten Mal; zwar wurde uns spontan noch eine Pauschale für „unter 25-jährige Fahrer“ pro Tag aufgerechnet, dann aber wieder erlassen, als eingesehen wurde, dass wir darüber bei der Reservierung nicht aufgeklärt worden waren).

Unsere Reise führte uns zunächst über die A-376 an Utrera vorbei, bevor es auf der Landstraße weiter ging. Wir konnten zu guter Musik von weitem die wundervolle Berglandschaft Andalusiens bestaunen, bevor wir uns über kleine Landwege immer tiefer in diese hineinbewegten. Es bieten sich atemberaubende Anblicke großer Felsen und bewachsener Hänge mit einer Vielzahl an Vögeln und anderer Tiere. Wir hatten Glück, denn die Sonne strahlte vom Himmel und obwohl es Mitte November war, war es noch relativ warm und mild. Über kleine holprige Straßen schlängelten wir uns durch die Berge bis nach Setenil de las Bodegas.

Diese kleine, weiße Dorf hatte ich zum ersten Ziel unserer Reise auserkoren, denn es bietet einen außergewöhnlichen Anblick: es ist nicht nur an, sondern auch in die Felsen gebaut. Es lässt sich nicht so leicht beschreiben, aber es sieht aus, als würden die Felsen auf den Häusern lasten, sodass sie gleichzeitig die Dächer dieser bilden. Geht man in die verschiedenen Restaurants und Bars hinein, kann man die unebenen Felsdecken bewundern; die Toilette eines Cafés konnte man nur gebückt betreten, da die Felsen besonders tief in diesen Raum reinragten.

Setenil de las Bodegas. Felsen auf/über den Häusern...

Wir verbrachten unseren Nachmittag damit, durch diesen einmaligen Ort zu schlendern und die Umgebung auf uns wirken zu lassen. Wir aßen leckeren Fisch in einem kleinen Restaurant und tranken Kaffee, während viele Touristen durch die schmalen Straßen strömten.

Gegen Abend, es war schon fast dunkel, fuhren wir weiter. Unser nächster Halt war Ronda, eine Stadt bekannt durch ihre Lage auf hohen Felsen, geteilt durch eine tiefe Schlucht und nur verbunden durch eine große, hohe (verdammt hohe) steinerne Brücke.

Wir fuhren also durch die Berge in den Sonnenuntergang und erreichten Ronda bei vollkommener Dunkelheit. Parken dort war ein etwas längeres Unterfangen, aber schließlich konnten wir am Rande des historischen Stadtteils eine kostenlose Parklücke finden. Während wir durch die Stadt schlenderten, um dann im örtlichen Irish Pub ein Ginnes zu trinken, überlegten wir, wo wir über Nacht bleiben sollten. Zwar hatten wir darüber gescherzt, die Nacht einfach abseits im Auto zu verbringen, allerdings wurde es mit der Dunkelheit auch relativ kalt, sodass wir im Internet nach Hostels suchten. Mir wurde zwar gesagt, dass man auch in Ronda günstige Übernachtungsmöglichkeiten finden könne, allerdings war das günstigste (und wahrscheinlich das beste) Angebot das im 25km entfernten Montecorto liegenden „Bed and Breakfast – Sierra Aventura“, an dem wir bei unserer Fahrt nach Ronda schon vorbeigefahren waren. Mit Auto war das ganze kein Problem (obwohl die Rückfahrt von Ronda nach Montecorto etwas gruselig wurde, als das Navi uns plötzlich über einen Feldweg führte, dessen Atmosphäre bei Nacht jedem Horrorfilm Konkurrenz macht) und im Nachhinein betrachtet war es das beste, das uns passieren konnte. Wir konnten spontan ein Zimmer buchen (15 Euro pro Person mit Frühstück). Dieses Zimmer entpuppte sich dann aber als kleines, vollausgestattetes Haus mit drei Schlafzimmern, Küche und Fernsehen, in dem wir zu zweit übernachten konnten. Es war der Hammer!

Montecorto: unser schickes kleines Haus für eine Nacht. ...schön und liebevoll eingerichtet.

Am nächsten Morgen machten wir uns nach dem kleinen, aber guten Frühstück auf zurück nach Ronda. Da wir das Auto bis zum späten Abend wieder zurückbringen mussten, hatten wir zwar nicht die Zeit, jeden Winkel zu erkunden, aber soviel sei gesagt: Ronda ist absolut einen Besuch wert. Nicht nur wegen der wirklich atemberaubend hohen Steinbrücke, sondern wegen der kilometerweiten, fast schon surrealen Aussicht auf die Feld- und Berglandschaft Andalusiens. Man kann am Rand der Klippen entlangschlendern oder bis hinunter zum Fuß der steinernen Brücke wandern. Wir verbrachten einen wunderschönen Vormittag bei strahlendem Sonnenschein, bevor wir uns gegen 2 Uhr zu unserem nächsten Stop aufmachten: Gibraltar.

Ronda, die geteilte Stadt.  Die verdammt hohe, steinerne Brücke. Beeindruckend. Eine fast schon surreale Aussicht.

Gibraltar ist wahrscheinlich durch seine britische Zugehörigkeit am Zipfel Spaniens bekannt. Im Nachhinein betrachtet, war für uns beide jedoch die Fahrt von Ronda nach Gibraltar durch einen Teil des Naturparks „Sierra de las Nieves“ die schönere Erfahrung; ich kann das Gefühl, über die Serpentinen durch die Berge zu fahren so wenig beschreiben wie die Aussichten, die sich einem dabei bieten. Zwar haben wir uns zwischenzeitig in einem der Felsendörfer mitten im Nirgendwo verloren (ich weiß zwar nicht mehr, wie dieses Dorf heißt aber…ich werde mich für immer an den Moment erinnern, als unser sehr spezielles Navi mich spontan durch die schmalsten Gassen, die ich jemals gesehen habe, geschickt hab, bevor es plötzlich aufhörte, mir einen Weg vorzugeben und nur noch „bitte wenden“ sagen konnte; ich allerdings nur einige Millimeter Platz zwischen den Wänden hatte und beim besten Willen die Hoffnung schon längst aufgegeben hatte, das Auto jemals wieder aus diesem Ort herauszufahren. Gott sei Dank hat ein geduldiger Anwohner (und ein geduldiger Ali) mir geholfen und es gab auch soetwas, das für einen erfahrenen Autofahrer so etwas wie einen Wendehammer darstellen würde, mich allerdings kurzzeitig in Panik versetzte.

Zu meiner Verteidigung: es war WIRKLICH schmal)…aber letztendlich war diese Fahrt wirklich entspannend und wir haben einmalige Landschaften gesehen, bevor sich vor uns das Meer offenbarte.

<3 :-) Auch mit dabei.

Gibraltar hingegen hat uns relativ ernüchtert, die Besonderheit für mich lag vor allem darin, dass man sich von der einen auf die andere Sekunde nach Grenzkontrolle plötzlich auf britischem Gebiet befindet, wo auch mit Pfund bezahlt wird.
Zwar ragt der große Fels, auf dem eine Menge freilebender Affen herumlaufen eindrucksvoll in den Himmel, und auch der Hafen ist durchaus sehenswert; allerdings kamen wir an einem Sonntagspätnachmittag an und bis wir uns orientiert hatten, hatte die Seilbahn zum Gipfel des Berges schon geschlossen. Bald wurde es auch schon dunkel, und so beschränkten wir unseren Gibraltarbesuch auf einen Spaziergang durch den unteren Teil des Naturparks, bei dem wir (leider nur im Gehege lebende) Affen gesehen haben, dafür aber zum ersten Mal über das Meer hinweg die Küste Marokkos gesehen haben.

Hafen von Gibraltar. Aussicht auf das Meer. Roadtrip <3

Nach Einbruch der Dunkelheit machten wir uns auf den Weg über die Autobahn zurück nach Sevilla, wo wir noch vor 23 Uhr ankamen.

Die Reise war zwar verhältnismäßig kurz, aber magisch und einzigartig und ich bin wirklich froh, dass wir uns zu diesem spontanen Trip entschlossen haben.

 

Zurück in Sevilla holte uns beide schnell die Arbeit wieder ein und wir verbrachten unsere letzten gemeinsamen Tage meistens am Laptop. Mit Ali habe ich auch zum ersten Mal in Spanien essen bestellt (und, nunja, ich möchte es nicht allgemein schlechtreden, nur darauf hinweisen, dass es keine gute Idee ist, Essen an einen Ort zu bestellen, dessen Lage selbst bei Googlemaps umstritten ist (Google sagt nämlich als Adresse der Residenz einen anderen Straßennamen als unser Straßenschild) und dass man stets die hier verbreitete Auffassung von „Bin gleich da!“ berücksichtigen sollte…damit umgeht man nämlich mehrere minutenlange Telefonate mit dem Lieferanten, der anscheinend „schon im Viertel ist“, für den das Viertel allerdings bezüglich Straßen die Klarheit eines Urwalds hat und der deshalb irgendwann selbst von seinen Arbeitgebern als hoffnungslos verschollen erklärt wird. (Klingt zwar leiiicht übertrieben, aber etwas Derartiges habe ich mir während der Stunde, in der ich draußen gewartet habe, weil ich dachte „Warte vor der Tür“, „Bin gleich da!“ und „Jetzt aber wirklich, nur noch zwei Minuten!“ meint, was es sagt, trotzdem ausgemalt. Das Ganze wäre noch viel witziger gewesen, wenn ich nicht so viel Hunger gehabt hätte, aber der Liefermensch und ich mussten beide herzlich lachen.)

 

Am 17. November gegen Abend musste Ali schon wieder Richtung Madrid abreisen und ich konzentrierte mich voll auf meine erste Präsentation auf Spanisch. Die Gruppe von Mädels, mit denen ich zusammengearbeitet hatte, war wirklich super lieb und vor allem Laura hat mich sehr ermutigt. Vor Beginn der Präsentation gab sie mir einen Zettel, auf dem stand: „Si caminas solo irás más rápido; si caminas acompañado llegarás lejos“ (was soviel heißt wie „Wenn du allein gehst, gehst du schneller, wenn du begleitet wirst, wirst du weiter kommen.“). Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut und würde auch sagen, dass unsere Präsentation über „maltrato infantil“ sehr gut gelaufen ist.

 

Nur drei Tage nach der ersten Präsentation, am 21. November, begab ich mich auf eine weitere kleine Reise: nach Granada. Ich hatte Sarah (Australierin, die ich während des ersten Portugaltrips kennengelernt hatte) gefragt, ob sie mit mir, Elena und Chiara zusammen die Stadt inklusive der Alhambra besichtigen wollte, und sie hatte wiederum ihre Freundin aus den USA eingeladen.
Also machten sich eine Australierin, eine US-Amerikanerin, eine Rumänin, eine Italienerin und eine Deutsche morgen um sechs aus dem Haus, um pünktlich um 7.30 Uhr an der Car-Renting-Station zu sein und so schnell wie möglich loszufahren, denn die Hinfahrt würde über 230km dauern.

Ich hatte diesmal das Auto bereits online gebucht und nur die Zahlmöglichkeit im Geschäft selbst gewählt. Dieses Mal gestaltete es sich allerdings schwieriger als beim letzten Mal, den bei der Buchung hatte es anscheinend Probleme gegeben. Die auf der Rechnung mit Navigationssystem, Gebühr für unter 25-jährige Fahrer und 300km Fahrt (auf die wir im Nachhinein draufzahlen mussten, aber das hatte ich bereits einberechnet, da wir ja wussten, dass die Strecke um einiges weiter sein würde) Summe belief sich (inklusive auch Buchungsgebühr) auf 52 Euro. Auch dass wir im Nachhein das Auto wieder volltanken würden müssen, war uns bewusst; doch als ich im Geschäft meinen Namen sagte und die Frau mir meine Buchungsbestätigung vorlegte, belief sich diese plötzlich auf über 90 Euro (ohne die noch im Nachhinein dazukommenden Kosten). Sie meinte, dass ich da wohl etwas falsch verstanden hätte, dass das Auto an sich zwar 52 Euro kosten würde, Navigation, Steuer etc. noch aufberechnet werden müssten.

An dieser Stelle sage ich schonmal, dass ich normalerweise nicht kleinlich bin und über Geld auch nicht gern diskutiere. Allerdings ging es hier um fast 40 Euro mehr und ich war darüber hinaus „verantwortlich“ für meine Gruppe, da ich die Buchung gemacht hatte und sich jeder auf diesen Preis verlassen hatte. Deswegen diskutierte ich (aber recht freundlich, denn die Frau konnte ja auch nichts dafür) letztlich über eine Stunde darüber und sagte äußerst nachdrücklich, dass dies nicht die Serviceleistung ist, die angepriesen wurde. Darüber hinaus leitete ich ihr auch die Mail mit meiner Version der Rechnung weiter, und nach vielem Hin- und Her, Anrufen etc. wurde mir dann doch der Preis von 52 Euro genehmigt, mit der Begründung, es sei wohl „einfach ein Fehler im System“. Sollte es also einmal jemandem ähnlich ergehen, dann ist es immer gut, einen „Beweis“ parat zu haben (bestenfalls Onlinerechnung ausdrucken). Die Frau war wirklich freundlich und es tat mir auch leid, dass sie das „ausbaden“ musste, aber letztlendlich kann ich nichts für den Fehler des Unternehmens und Bestätigung ist Bestätigung. Es lohnt sich also manchmal, nicht kampflos aufzugeben. J

Um 8.45 Uhr (die beiden englischsprachigen Mädels hatten verschlafen und den Bus verpasst, deswegen kamen sie erst zu dieser Zeit an :-P) ging es dann also endlich los Richtung Granada. Je näher wir der Stadt nahe der Sierra Nevada kamen, desto bewölkter und kälter wurde es. Aufgrund unserer begrenzten Zeit hatten wir uns hauptsächlich auf den Besuch der Alhambra, einer bedeutenden Stadtburg auf dem Sabikah-Hügel konzentriert und die Tickets bereits online vorbestellt. Man kann diese dann via Kreditkarte ganz einfach an einem der Automaten vor den Eingängen ausdrucken lassen.

Die Alhambra ist riesig und es braucht einige Zeit, alles zu erkunden. Ein Highlight waren auf jeden Fall die Nasridenpaläste, in dem der Regierungssitz und die Privaträume der arabischen Herrscher untergebracht waren. Die Wände sind mit arabischen Schriftzügen und islamischer Kunst versehen. Wir verbrachten viele Stunden dort und schafften es letztlich nichtmal mehr, den Generalife, den Sommerpalast neben der Festungsmauer zu besuchen. Dafür genossen wir den herrlichen Ausblick auf Granada und den Anfang der Sierra Nevada.

Granada. Eine US-Amerikanerin, eine Australierin, eine Rumänin, eine Deutsche und eine Italienerin auf Reisen. Meine beiden Süßen <3 Im Inneren der Paläste. Da ließ es sich wohl gut leben.

Am späten Nachmittag gingen wir noch ein bisschen hinunter in die Stadt. Wir parkten das Auto im Parkhaus (dem Horror-Parkhaus des Todes; ich bin normalerweise nicht schlecht im Ein- und Ausparken. Aber diese Parkplätze in diesem Parkhaus waren einfach nur ein Witz. Außerdem war das Parkhaus unterirdisch und wurde durch Säulen gestützt, die glücklicherweise immer direkt INNERHALB derParkflächen waren, sodass selbst wenn man es dann mal geschafft hat, sich da iiiirgendwie reinzupressen (und das ist eigentlich fast unmöglich, wenn links und rechts schon Autos stehen) und mit BEIDEN Außenseiten der Räder schon auf der weißen Linie steht, man die Tür nicht mehr öffnen konnte, da man sie sonst gegen die Säulen gerammt hätte. Wir brauchten fast 20 Minuten, um das Auto in die Parklücke und uns dann aus dem Auto zu quetschen, und ich hatte bereits Bauchschmerzen bei dem Gedanken, aus diesem Albtraum wieder rausfahren zu müssen.

Allerdings gingen wir dann erstmal in die Stadt und besahen uns die große und eindrucksvolle Kathedrale von Granada. Sie erinnerte mich ein bisschen an die von Sevilla, aber irgendwie war sie doch ganz anders: sie vermittelte eine andere Art von WOW-Effekt und ich weiß dass ich irgendwann zurückkehren werde, da Granada so viel zu bieten hat und es unmöglich ist, alles an nur einem Tag zu sehen. Wir kehrten dann noch in einem kleinen Restaurant in einer der belebten Einkaufsstraßen zum Essen ein, bevor wir am späten Abend die Heimreise antraten. (Die Heimreise in Kürze: Ausparken war der Horror, da irgendein glorreicher Konstrukteur mal auf die Idee gekommen ist, direkt oben an diesem wirklich schrecklich steilen und engen Berg in diesem verfluchten Parkhaus eine Schranke zu montieren, damit man, egal mit wieviel Schwung man hochgefahren ist, anhalten muss um dann beim ersten und zweiten Versuch anzufahren erstmal wieder zehn Meter runter Richtung Mauer zu rollen, bevor man es dann unter erleichterten Jubelrufen und mit einer fast zerstörten Kupplung doch noch herausschafft. Oder, wenn man Pech hat halt auch nicht. Außerdem haben wir gelernt, dass man sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag wirklich glücklich schätzen kann, eine offene Tankstelle zu finden. Die letzten 25km bis Sevilla (wo wir dann innerorts noch eine finden konnten) bin ich wann immer es ging im Leerlauf gefahren, da das Tanklämpchen schon bedenklich lange geleuchtet hatte. Aber letztendlich war alles gut und Elena, Chiara und ich kamen um ca. 2 Uhr morgens in der Residenz an.)

 

Der 25. November, internationaler Tag gegen Gewalt gegen Frauen, veranlasste die Residenz dazu, einige kleinere Aktivitäten zu diesem Thema vorzubereiten. So trafen wir uns am Tag vorher, um gemeinsam große Tücher mit den Namen derjenigen Frauen zu beschreiben, die in Spanien in 2015 durch „violencia machista“, also durch geschlechtsspezifische Gewalt getötet wurden. Es war sehr bewegend, diese Tücher vorzubereiten, da wir neben den Namen auch noch die Todesursache dazuschrieben. Wir gedachten der Frauen, die von ihren Partnern oder ihren Söhnen erstochen oder erschlagen wurden; Gender-Gewalt ist ein schlimmes, aber wichtiges Thema, das wir immer weiter thematisieren müssen, an diesem Tag, in den Aktionswochen die darauf folgen, aber auch an jedem anderen Tag. Ich habe bereits einiges über Geschlechterstereotype, stereotypische Sozialisierung etc. gelesen und kann es nur jedem empfehlen, sich damit auseinanderzusetzen; wir hängten die Tücher an sämtliche Balkone der Residenz, gut sichtbar für alle Menschen; am Morgen des 25. Trafen sich viele Frauen und Männer des Viertels Polígono Sur, um gemeinsam Gedichte un Lieder zu diesem Thema vorzutragen und sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Abends gab es dann im Zentrum Sevillas eine Art Demonstration, bei der mehrere Tausend Menschen mitgegangen sind, um gegen Ungleichheit von Mann und Frau, gegen Gewalt und für den Frieden zu demonstrieren.

Die Residenz Flora Tristán, für die Gleichheit und gegen Gewalt gegen Frauen.

 

Eine Sache, die in diesen Tagen ebenfalls passiert ist, ist Folgendes: am 24. November wurden Chiara und ich endlich, nach lang aufgeschobenem Bürokratiekram und gegen eine Gebühr von 10,60 Euro Sevillanerinnen. Wir hatten es endlich geschafft, am Plaza de España unsere Registrierung bei der Ausländerbehörde abzuschließen und haben jetzt so eine hübsche kleine Papierkarte, auf der draufsteht, dass wir temporäre Residenten der Stadt sind. Cool, he?

 

Vom 27.-29. November ging es dann endlich auf die Reise, die ich mir schon seit Sommer herbeigsehnt hatte: zum ersten Mal in meinem Leben (und sicher nicht zum letzten Mal) fuhr ich nach Marokko.

Ich hatte mich bei dem ESN- Trip angemeldet, der sich auf die nördlichen Städte Marokkos konzentrierte. Sie versprachen uns eine einmalige Reise in dieses wunderschöne Land, und genau das war die Reise auch: unvergleichbar einmalig.

Unabhängig von den wundebaren Erfahrungen in den einzigartigen Städten des Landes habe ich auf dieser Reise eines gelernt: Fordere das Schicksal nicht heraus. Tu’s einfach nicht. Es wird sich an dir rächen und dir in den A**** beißen. Warum, dazu komme ich gleich.

 

Die Reise startete morgens um 6.45 Uhr an der Universidad de Sevilla, von wo aus bereits meine Entdeckungsreisen zu den verschiedenen Stränden, nach Córdoba und nach Lissabon stattgefunden hatten. Ich kannte eigentlich niemanden von den Mitreisenden so wirklich, aber das machte nichts, denn ich würde einige sehr nette Leute kennenlernen. Wir fuhren mit dem Bus nach Tarifa, einem kleinen Ort an der südlichen Küste Spaniens, um von dort aus mit der Fähre die 14 Kilometer nach Marokko überzusetzen.

Schon die Überfahrt nach Marokko war wunderschön, denn bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir gemütlich über das Meer. An Bord mussten wir dann ein Kärtchen mit unseren Daten ausfüllen, und neben Arabisch und Spanisch waren die einzelnen auszufüllenden Punkte auch auf Französisch angegeben, denn Französisch ist zweite Amts-und Verkehrssprache in Marokko noch aus der Zeit des französischen Protektorats.

Wir kamen in Tanger an, einer touristischen Hafenstadt. Mir erschien die Stadt von weitem eher zugebaut und alle paar Meter ragte ein Hochhaus aus dem Boden. Ich würde aber schnell lernen, dass die Schönheit in den kleinen Gassen und den Altstädten liegt sowie in dem magischen Gefühl, durch ebendiese zu spazieren.

Tanger.

Am Ausgang des Hafens wurden wir in zwei Gruppen geteilt, und damit begann eine kleine Serie von Unglücken, die wir wie ich glaube durch unsere spöttischen Worte noch auf die Spitze treiben würden. Die Gruppen unterteilte sich in „Leute mit Reisepass“ und „Leute mit Personalausweis“. Vor Beginn der Reise wurde uns gesagt, dass Personen aus einigen bestimmten Ländern auch mit Personalausweis einreisen können, so zum Beispiel Deutschland, Spanien und Italien. Ich gehörte zur Gruppe Reisepass, weshalb ich zusammen mit den anderen die Schranke passieren durfte. Dann warteten wir. Und warteten. Bis unser Reiseführer Medi, ein wirklich lustiger und kluger Mann mit einer witzigen Sprechweise (und der Angewohnheit,beim Sprechen und beim sich Gehör verschaffen, wild vor sich hin zu schnipsen) sich vor uns stellte und auf Spanisch begann: „Chicos…willkommen in Marokko. Es ist nicht schön, die Reise so beginnen zu müssen, aber…wir haben ein Problem.“ (Diesen Satz würden wir nicht zum letzten Mal gehört haben.)

Genauer gesagt, hatte die Gruppe Perso ein Problem: die Einreisebestimmungen Marokkos wurden an genau diesem Morgen geändert. Als Konsequenz der erhöhten Terrorgefahr hatte Marokko beschlossen, alle Einreisenden müssen fortan einen Reisepass vorzeigen. Das wäre ja auch kein Problem, hätte Gruppe Perso das vorher gewusst. Die, ich glaube es waren knapp 30 Leute durften nicht rein. Und alles diskutieren, telefonieren, fragen, erklären etc. half nichts. Sie durften nicht einreisen.

Für die Gruppe endete die Reise also, bevor sie angefangen hatte, und die Leute mussten auf die Fähre und zurück nach Spanien (sie haben das Geld für die Reise aber zurückerstattet bekommen, was aber auch nur ein schwacher Trost war.)

Der Schock war groß, doch für uns ging die Reise weiter. Wir fuhren mit dem Bus zu dem direkt am Hafen gelegenen Hotel, in dem wir die nächsten zwei Nächte bleiben würden.

Nach dem Check-In gingen wir mit Medi erst einmal Geld wechseln und er erklärte uns ein paar grundlegende Dinge zur Kultur und zur Gesellschaft Marokkos. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich Tanger vergleichsweise wenig abgewinnen konnte, obwohl auch diese Stadt schöne Ecken und Plätze hat, die wir jedoch größtenteils nachts besichtigten.

Da wir alle wahnsinnigen Hunger hatten, gingen wir in ein für uns reserviertes Restaurant, in dem wir sehr leckeres Couscous mit Hühnchen und Gemüse bekamen (die Portion war so riesig, dass sich locker drei Personen hätten einen Teller teilen können). Danach gab es Tee, der typischerweise nach jedem Essen serviert wird. Wir saßen auf gemütlichen Kissen, die Wände waren mit Teppichen und Stoffen behangen und überhaupt war alles sehr bunt und verziert. Ich unterhielt mich lange Zeit mit einer Französin namens Katell. Sie ist sehr sympathisch und liebt das Reisen; wir redeten viel über Zukunftspläne und Länder, die wir gerne sehen wollten.

Gegen Abend liefen wir durch die Stadt und besahen uns die Geschäfte und Märkte, ebenso wie historische Gebäude. Wir liefen fast die ganze Zeit steil bergauf, bis wir irgendwann zu einem Aussichtsfelsvorsprung kamen, von dem aus man einen wunderschönen Ausblick auf Tanger und das Meer hatte, das vom Mond beschienen wurde.

Das frühe Aufstehen und das viele Laufen hatte uns alle ziemlich ermüdet und ich beschloss, nicht mehr zur nächtlichen Botellón-Mini-Party im Hotel zu gehen (vielleicht werde ich zu alt, dachte ich mir an diesem Abend, aber das mega weiche Bett im 4-Sterne-Hotel war einfach zu verlockend. Außerdem wollte ich unbedingt fit für den nächsten Tag sein.). Ich teilte mir ein Zimmer mit Miriam, einer Deutschen die ihre gesamten Freunde am Morgen an der Grenze zurücklassen musste. Also waren wir jetzt quasi beide „Alleinreisende“ und verstanden uns sofort gut.

Der Samstag war dann vollgepackt mit vielen Programmpunkten. Treffpunkt war um neun Uhr an der Rezeption. Als ich zusammen mit Miriam um 9.05 Uhr (und wir hatten uns extra ein bisschen Zeit gelassen, da die Treffpunktenzeiten von einigen eher als Richtwerte verstanden wurden) nach unten ging, bot sich uns ein gerade zu absurd-lustiges Bild. Sämtliche Deutsche aus unserer Reisegruppe saßen, fertig bepackt mit Rucksack und Sonnenbrillen unten und warteten geduldig. Sonst war niemand da. Wir setzten uns grinsend dazu. Zwei Minuten später trudelten etwas außer Atem die letzten Deutschen der Gruppe ein, die meinten, sie hätten „Sich extra mehr Zeit gelassen, hatten dann aber doch Angst, die Gruppe würde ohne sie losfahren.“ Um 9.20 Uhr ungefähr kam ein größerer Teil der restlichen Gruppe, und schließlich, um 9.40 Uhr kam der größte Teil der spanischen Truppe inklusive unserer Betreuer. Da versucht man, nicht in Klischees zu denken, aber das hier war einfach zu komisch.

Mit dem Bus fuhren wir vorbei an Tetuán Richtung Chefchouen, einer Stadt, deren Altstadt komplett blau bemalt ist. Wir freuten uns schon, als der zweite Bus plötzlich ein Zeichen gab und beide unserer Busse auf den Seitenstreifen fuhren. Wir verstanden nicht, was los war, und nach kurzer Zeit fuhren wir weiter. Um dann wieder anzuhalten.

Medi, der Tourguide, stieg in unseren Bus. „Chicos…es gibt ein Problem.“

Der zweite Bus hatte einen Motorschaden und konnte nicht mehr weiterfahren. Da wir uns aber relativ mitten in der Pampa befanden, mitten auf einer Landstraße im Gebirge, würde es einige Zeit dauern, bis ein Ersatzbus die restlichen Leute aufgabeln könnte. Eine zeitlang überlegten alle wild hin und her, was man machen könnte. Die Leute einigten sich darauf, dass wir den Besuch von Tetuán vorziehen würden, da die Stadt um einiges näher lag und sich der Transport dorthin erstmal einfacher organisieren ließ.

Und so fuhr unser Bus, mit der Intension, wenigstens unseren Teil der Gruppe schonmal irgendwohin zu bringen, nach Tetuán, während wir durch die Fenster den anderen Teil der Gruppe, der etwas frustriert auf dem Bordstein saß, immer kleiner werden sahen. Ein ziemlich lustiger Ire (an dessen Namen ich mich peinlicherweise nicht mehr erinnern kann, obwohl ich viel mit ihm gesprochen habe) meinte, wir schlagen uns bisher ganz gut, bis jetzt gehörten wir sozusagen zu den „Überlebenden“, die die richtigen Entscheidungen (Pass, funktionierender Bus) getroffen hatten. Er fragte sich dann, welches Unglück uns wohl am dritten Tag treffen würde, und wir stiegen ein in die absurdesten Überlegungen, was wohl alles passieren könnte. Wir hätten es lassen sollen. Denn egal ob es Schicksal, eine sich selbst erfüllende Prophezeihung oder sonstwas war…der dritte Tag würde uns im Gedächtnis bleiben. Aber dazu später.

Wir fuhren also nach Tetuán und besichtigten in unserer Freizeit auf eigene Faust die Medina, die Altstadt. Man trat durch ein kleines Tor in den von Mauern umgebenen Kern und fand sich plötzlich in einer Art Labyrinth von kleinen, unebenen Gassen, die über und über bespickt waren mit Marktständen, Karren und einer Vielzahl von Menschen. Es war ziemlich ruhig, und die Menschen murmelten sich Dinge zu und starrten uns an, während wir an den Obstständen, Gewürzsäcken und Kramtischen vorbeigingen. Es gab einfach alles, und es wurde auf jedem freien Zentimeter zur Schau gestellt. Zwischendurch liefen uns immer wieder Katzen über die Füße - Un montón de gatos! – und ich war überwältigt von dem seltsam meditativen Gefühl, das sich in mir ausbreitete, während wir durch diese für uns fremde, neue Welt wandelten.

Der Eingang zum Markt, Tetuán. Medina.

Anderthalb Stunden später stieß dann auch der andere Teil der Gruppe zu uns und mit Medi begann unsere Stadtführung. Er hat uns viel über die Geschichte der Stadt erzählt und auch wenn ich mir viele Informationen nicht so genau merken konnte (man bedenke, dass er auch die ganze Zeit Spanisch gesprochen hat und das auf Dauer ziemlich anstrengend ist), hat mich die Stadt auf ihre Art begeistert.

Gegen Nachmittag fuhren wir dann allerdings nach Chefchouen, und diese Stadt hat mich vollkommen überwältigt. Leider erreichten wir sie erst bei Sonnenuntergang, allerdings war das Licht, in dem wir die ersten Häuser in verschiedenen Blautönen gesehen haben, einmalig und tauchte alles in einen magischen Schein. Chefchouen hat nicht nur blaue Häuser…die Gassen,  die Treppen, einfach alles ist Blau. Dazu kommen all die kleinen Läden, mit Tüchern, Schmuck und buntem Kleinkram behangen, dazwischen Verkäufer mit kleinen, typischen Imbissen, Katzen, Blumen und verzierte Türen. Dieser Stadtteil ist der Hammer. Ich hatte nicht gewusst, dass es so sein würde. Ich dachte, wenn andere Erasmusstudenten von ihren Trips nach Chefchouen Bilder posteten, dann wären diese „blauen Abschnitte“ der Stadt nur an einem bestimmten Ort zu finden und dort machen dann halt alle Fotos. Aber so ist es nicht. Tatsächlich ist es das ganze Stadtviertel. Die Stadt ist ein absolutes Muss und ich werde auf jeden Fall nochmal zurückkehren, da wir leider nicht allzu viel Zeit dort hatten.

Am Abend mussten wir zeitig wieder zurück, denn die Fahrt dauerte fast zwei Stunden.

Auch wenn fast nur im Dunklen... Chefchouen... ist magisch... <3 :-) Katze :-)

Bei Sonnenuntergang.Katell, Miriam und ich.

  Chefchouen <3

Wieder in Tanger, aßen wir in einem bunten Restaurant. In der Mitte des Raumes saß eine Gruppe von Musikern, die für uns eine traditionelle Show ablieferten. Es war der Hammer! Neben Tanzeinheiten und toller Musik aßen wir wieder Couscous und Hühnchen und zum Nachtisch einen ziemlich leckeren Keks, auch wenn ich den Namen leider nicht mehr weiß.

  Gruppenfoto :-) Die Musiker des Abends.

Nachts veranstalteten wir dann in drei der Hotelzimmer eine kleine Party. Am Abend zuvor waren die Leute anscheinend etwas zu laut gewesen im Aufenthaltsraum, weshalb sich das Zusammensein auf die Zimmer beschränken sollte. Dass es sich dort mit dem Thema „Ruhe“ nicht anders verhalten würde, war zwar allen klar, trotzdem ging jeder noch mit den besten Vorsätzen hin. Und dann wurde es zur Party. Und wir feierten bis halb sechs.

Miriam und ich waren ein paar Stunden später relativ müde, aber nicht über alle Maßen fertig, als wir uns um 9.30 Uhr Richtung Tanger Innenstadt aufmachten, um ein paar Andenken zu kaufen. Gegen 12.00 Uhr trafen sich dann alle (letztendlich war es 12.40 Uhr, bis wir loskonnten, da jemand sein Handy im Hotel verloren hatte und sie es suchten, bis sie es drei Stockwerke über seinem irgendwo in einer Ecke fanden) und wir fuhren los Richtung Assilah, allerdings mit einem Zwischenstopp am Meer; der versprochene Kamelritt war an der Reihe. Die Leute durften einmal der Reihe nach auf die Kamele aufsteigen, es wurde eine Runde gedreht und die Nächsten waren dran. Ich wollte es am Anfang eigentlich machen, habe mich dann aber dagegen entschieden: als ich im Frühjahr diesen Jahres in Ägypten war und wir auf einer Kutsche um die Pyramiden geritten sind, hatte ich gegenüber dem Pferd ein richtig schlechtes Gewissen, da es die ganze Zeit geschlagen und getreten wurde, um schneller zu laufen und es auch sonst nicht sehr gut aussah. Gleiches passierte hier mit den Kamelen: Sie trugen Maulkörbe, jaulten zwischendurch immer wieder auf und hatten aufgeriebene Stellen an ihren Beinen vom ganzen Aufstehen und Hinlegen. Als der zuständige Mann einem Kamel in den Bauch trat, damit es aufstand, verging mir jede Lust und ich begnügte mich damit, neben einem sehr kleinen Kamel zu stehen und ein Foto zu machen.

<3 Eindrucksvolle Tiere.

Ich weiß, dass Tiere nicht überall die gleichen Rechte haben und dass ich unbewusst und passiv auch einen Haufen anderer Arten von Tieresmisshandlung dulde (durch Massentierhaltung etc.), und dass das nicht richtig ist. Und gerade hier sprang es mir richtig ins Gesicht und es tat mir so leid; ich verurteile aber auch niemanden, der sich anders entschieden hat.

Nach diesem Programmpunkt ging es weiter nach Assilah. Die Stadt liegt direkt am Meer und besieht man sich die umliegende Landschaft, könnte man denken, man sei in Irland: weite, saftige Wiesen, Felder, Herden von Schafen und Ziegen und Felsenklippen am Meer: so hatte ich mir Marokko gar nicht vorgestellt. Es war wundervoll.

Assilah ist eine Künstlerstadt; die Altstadt ist auch größtenteils in Blau und Weiß gehalten, mit einzigartig verzierten Türen, Blumen und Kunstwerken an den Außenmauern. Katell und ich schlenderten lange Zeit durch die Gassen, besahen uns die tollen Häuser un genossen es einfach, dort zu sein.

Assilah Die Stadt ist ein Kunstwerk. Momente. <3

Die Zeit war viel zu kurz, denn schon um 16.15 Uhr mussten wir zurück am Bus sein, um zurück nach Tanger zu fahren und dort pünktlich um 18.00 Uhr die Fähre zurück nach Tarifa zu nehmen. Und hier schlug das Schicksal zu.

Ich weiß nicht, warum wir so lange gebraucht haben, um loszufahren, denn eigentlich war die Gruppe um 16.20 Uhr soweit vollständig. Doch wir vertrödelten Zeit und fuhren erst gegen 16.45 Uhr los. Zu knapp. Kamen um 17.50 Uhr am Hafen an. An der Ausweiskontrolle wurden wir aufgehalten. Es wurde 25 Minuten diskutiert, ob wir noch hineingehen dürfen oder ob es schon zu spät ist (in dieser Zeit hätten sie uns alle locker dreimal einsteigen lassen können, aber wie diese bürokratischen Unterfangen halt so sind, nutzt man diese Zeit lieber erstmal um über die Richtigkeit der Sache zu diskutieren; ich frage mich außerdem, wer überhaupt auf der Fähre war, wenn plötzlich knapp 70 Passagiere fehlten) und um 18.20 Uhr sahen wir die Fähre davonfahren. 14 Kilometer Meer. Ist eigentlich nicht viel. Aber ohne Schiff trotzdem nicht zu überwinden.

Nun hatten wir Glück im Unglück, denn um 22.00 Uhr würde es eine weitere Fähre geben, mit der wir übersetzen konnten. Aber 4 Stunden sind eine laaaaange Zeit, wenn es nichts, wirklich gar nichts gibt, was du tun kannst. Wir unterhielten uns, doch wir waren müde und hungrig. Es gab zwar einen kleinen Imbiss, aber der machte bald nach unserer Ankunft zu, und sonst gibt es an diesem Hafen nichts, wirklich gar nichts, zu machen. Dazu kam noch die Kälte. Auf dem Meer hatte sich ein Sturm gebildet und der Wind zog ziemlich kalt durch die Fensterrahmen (in denen leider teilweise keine Scheiben eingesetzt waren). Vier Stunden frustrierten Wartens; obwohl es so gesehen unsere Schuld war. Die Koordinatoren entschuldigten sich, da sie die Verantwortung hatten und nicht konsequenter im Zeitplan waren. Das war nett, aber ja, soetwas passiert eben. Die meisten nahmen es mit Humor, ich ebenfalls Was bringt es auch, sich darüber zu ärgern? Die Reise war so wunderbar, wir haben so schöne Dinge gesehen…warum also den Abschluss versauen lassen?

Als wir endlich die Fähre betreten durften, schwankte diese schon gewaltig. Und als wir dann losfuhren, bemerkten wir, wie stark tatsächlich das Unwetter war. Es war so, als würde unser Schiff alle zehn Sekunden gegen eine Steinmauer fahren, wir wurden alle durchgeschüttelt, und nach dem ersten lauten Knall wagte auch niemand mehr, nochmal aufzustehen. Viele hatten sich vor Abfahrt Sandwiches an Board gekauft, und, nunja, das hätten sie vielleicht lassen sollen.

Ich bin wirklich froh, dass ich keinerlei Probleme mit Seekrankheit habe. Ich habe Freunde, die müssen ein Schiff nur anschauen um loszuspucken und eigentlich schien mir unsere Gruppe auf der Hinreise relativ gefestigt. Aber das hier war ein anderes Kaliber. Selbst Leute, die noch nie Probleme damit hatten, wurden plötzlich käsig im Gesicht. Wir reden hier nicht von „ein stärkeres Schaukeln“ sondern von einer Achterbahn-Berg-und-Tal-Fahrt. Neben verängstigtem Murmeln und gelegentlichen Aufschreien war also auch bald das nicht ganz so angenehme Geräusch sich übergebender Mitreisender zu hören, und wir reden hier nicht von ein oder zwei Personen, sondern von 15-20. Man kann sich also vorstellen, dass diese Reise, obwohl eigentlich nur eine Stunde lang, für einige eine kleine Ewigkeit dauerte.

Wir kamen letztlich jedoch sicher im Hafen von Tarifa an und im Bus schliefen die meisten sofort ein. Um drei Uhr morgens kamen wir total am Ende in Sevilla an; unter Applaus und Lachen, denn trotzdem hatten wir Spaß und diese Dinge, die schiefgelaufen waren, dafür konnte letztendlich niemand was, oder, wie im letzten Fall, wir alle gemeinsam. Das schmälert aber nicht die Schönheit und Magie Marokkos. Tage später machten alle einen Haufen Witze über all das, doch an jenem Abend ging jeder nur noch schnell seines Weges nach Hause (mein Pflichtkurs an der Uni vier Stunden später war dann allerdings nicht ganz so schön.)

Letztendlich freut sich dann doch jeder, eine spannungsreiche Geschichte erzählen zu können. Anders wäre es ja auch langweilig.

 

Ich hatte nicht viel Zeit, mich auszuruhen, denn nach einigen Tagen des Arbeitens (:-P denn ich hatte/habe eigentlich genug für die Uni zu tun) stand dann auch gleich schon meine nächste Reise auf dem Plan: der Besuch meiner besten Freundinnen in Kopenhagen, wo sie ihr Erasmus-Semester machen. Morgens um 6.55Uhr ging mein Flug von Sevilla nach Madrid und dann weiter von Madrid nach Kopenhagen. Der Madrider Flughafen hat mich mit seinen ganzen Gates etwas verwirrt (vor allem weil Pfeile für die Gates manchmal irgendwie in entgegengesetzte Richtungen zeigten und ich einfach nicht verstand warum und mir auch niemand wirklich sagen konnte, wo ich genau hinmusste; außerdem funktionierten die Anzeigetafeln nicht und das richtige Gate wurde zur Boarding-Time immer noch nicht angezeigt, sodass ich hektisch den Flughafen nach einem Stand von Iberia Express absuchte, die mir dann mitteilten, mein Gate sei auf der ganz anderen Seite und ich müsste mich beeilen. Allerdings war ich eine von vielen, denen es so erging, und viele Leute kamen schwitzend, um Atem ringend und manche auch schimpfend in das Flugzeug.)

Ich hatte jedenfalls eine wunderschöne Zeit mit den beiden dort und Kopenhagen ist eine schöne Stadt: wir waren am Nyhavn, von wo aus wir eine Bootstour machten (und das Wetter war sogar echt schön, wenn auch verdammt kalt im Vergleich zu Spaniens Süden); ich habe Hans Christian Andersens „Kleine Meerjungfrau“ gesehen, wir haben an einem Ort namens „Paper Island“ gegessen, einer Halle mit kleinen Ständen, die Essen von überall auf der Welt verkaufen; ich war im „Statens Museum for Kunst“ und habe allgemein die Stadt genossen, die so ganz anders ist als mein geliebtes Sevilla, aber trotzdem schön. Es waren ein paar schöne, abwechslungsreiche und erholsame Tage mit meinen Liebsten und es tat sehr gut, mal wieder lange und über alles mit ihnen reden zu können. Außerdem haben wir zusammen den letzten Tribute von Panem Film im Kino geschaut (und zwar in Englisch und nicht in seltsamer spanischer Synchro!).

Die kleine Meerjungfrau. Yey :-) Beste Freundin und ich vor komischem modernen Kugelding im Museum. Kopenhagen. :-) Gefällt mir. Leeego Geschäfte <3 Moderne Kunst.

Fortsetzung folgt im anderen Eintrag.

Neue Wörter: Paraguas, mojado y tiempo de perros!

Samstag, 24.10.2015

Nach einigen erlebnisreichen…Wochen…melde ich mich mal wieder und versuche so kurz wie immer (;-P) über die Ereignisse in dieser Zeit zu berichten.

Der September ging für mich ziemlich schnell und unspektakulär zu Ende, da ich die meiste Zeit drinnen und über meinen Spanischtexten verzweifelnd verbracht habe. Die Themen, mit denen ich mich befasse (zum Beispiel Arbeitslosigkeit in Spanien oder die Geschichte der sozialen Ungleichheit) sind sehr interessant, allerdings teilweise auch sehr schwere Kost, wodurch ich viele Fachwörter und Ausdrücke lernen muss. So weiß ich jetzt z.B., was „soziale Schichtenbildung“ auf Spanisch heißt, habe aber immer noch Probleme damit, die Frau an der Kasse im Supermarkt zu verstehen, wenn sie mehr zu mir sagt als „bolsita?“ (Tüte).

Am 2. Oktober dann fand die „Noche en Blanco“ in Sevilla statt. Der Ausdruck „pasarse la noche en blanco“ bedeutet so viel wie „eine schlaflose Nacht verbringen“ und das tut man, wenn man daran teilnimmt: in dieser Nacht haben Sevillas Museen, Sehenswürdigkeiten, Firmen etc. eine „Nacht der offenen Tür“, in der man größtenteils gratis alles anschauen kann. Weiterhin gibt es Vorträge zu verschiedenen Themen und Führungen. Es ist auf jeden Fall für jeden etwas dabei…wenn man es schafft irgendwo hineinzugelangen. Wir wollten als etwas größere Gruppe zu ein paar Aktivitäten, so z.B. auf den Turm der Kathedrale (was ich mir bei Nacht sehr schön vorgestellt habe). Zuvor waren wir noch in Triana essen und guter Dinge; als wir uns dann aber in die Innenstadt aufmachten, sahen wir etwas, womit wir irgendwie naiverweise nicht gerechnet hatten. Wir hatten ja gedacht, dass Leute kommen würden…dass vielleicht auch viele Leute kommen würden. Aber diese Menschenmasse sprengte den Rahmen aller Erwartungen. Tausende, wirklich TAUSENDE Menschen waren überall und standen beispielsweise in einer Schlange an, die die Giralda dreimal umrundete (und die Giralda ist in den Top 10 der größten Kirchen/Kathedralen der Welt).

Wir haben den Plan dann relativ schnell wieder verworfen und Chiara und ich sind stattdessen lieber ins Shisha-Café gegangen. Die Noche en Blanco ist ein tolles Angebot der Stadt und sicherlich ein Highlight, aber wir dachten uns, dass wir all diese Dinge auch an jedem anderen Tag (mit Studentenausweis für ein paar Euro) sehen können und das mit wesentlich weniger Wartezeit.

 Außerdem musste ich für den nächsten Tag wenigstens ein bisschen Schlaf abbekommen, denn am 3. Oktober ging es früh morgens mit ESN nach Córdoba, einer wunderschönen und historisch interessanten Stadt in Andalusien. Über die Puente Viejo (alte Brücke) gelangten wir nach unserer Ankunft in den Stadtkern mit seinen schönen Gassen, Monumenten und Statuen, zu denen uns unsere studentische Stadtführerin aus Córdoba interessante Infos erzählte. Highlight war sicherlich die Mezquita-Catedral, ein gewaltiges Bauwerk, das sowohl Moschee als auch Kathedrale ist. Nach der Zerstörung einer westgotischen Kathedrale an gleicher Stelle wurde im Jahr 784 von den Muslimen eine Moschee erbaut, die in den folgenden Jahrhunderten immer weiter ausgedehnt wurde. Einige Jahrhunderte später wurde die Stadt jedoch von den Christen zurückerobert und die Moschee zur Kirche umgeweiht. Nach weiteren Umbauten und Herrschaftswechseln wurde schließlich ein großes gotisches Mittelschiff eingebaut. Ja, wirklich, mittenrein. Das macht dieses Bauwerk so einzigartig und mein erster Eindruck war einfach nur…Wow.

Außerdem gehört es zum Weltkulturerbe als „Symbol der Eintracht unterschiedlicher Zivilisationen und Religionen“. J

Im Inneren der Mezquita-Catedral Puente Viejo

Ich kann nur sagen, Córdoba ist wirklich eine wunderschöne Stadt und definitiv einen Besuch wert…gleich nachdem man in der allerschönsten Stadt, nämlich Sevilla, gewesen ist :-P.

 

Die Woche danach war dann wieder geprägt von Lernen, Texten lesen und Treffen mit meiner Arbeitsgruppe. Außerdem habe ich angefangen, morgens mit Elena zu Joggen…wobei ihr „morgens“ für mich noch mehr nachts ist. Elena ist eine wirklich liebenswürdige Person und so ziemlich die einzige, die mir fest genug in den A**** treten kann, damit ich morgens um halb Acht in Sportsachen draußen stehe. Jep. Kein Grund, morgens ein bisschen länger zu schlafen, nur weil meine Vorlesungen erst Mittags anfangen. Kleine peinliche Anekdote am Rande…wir wollten auch gern schwimmen gehen, in einem „Centro Deportivo“ hier in der Nähe. Ist nicht so, dass wir „professionelle Schwimmerinnen“ sind oder auch nur ansatzweise wüssten, wie die verschiedenen Techniken richtig ausgeführt werden. Als wir dann allerdings zum „Schwimm-Einstufungs-Test“ aufgefordert wurden und uns klar wurde, dass dieses Zentrum wirklich nur für Sportler_innen und nicht für uns, die wir „mal ein bisschen schwimmen wollen“ gedacht ist, waren wir nicht mehr ganz so guter Dinge. Und als wir dann kläglich versagt hatten, wurde uns statt dem monatlichen unbegrenzten Freischwimmzugang für 24 Euro ein Schwimmkurs dreimal die Woche zum selben Preis angeboten.

Wir haben uns noch nicht entschieden, ob wir dieses Angebot wirklich annehmen.

 

Nach der „Fiesta Mexicana“ im Hoyo 19 am 8. Oktober ging es für mich freitags morgens um Acht (es war wirklich ein Wunder, dass ich es noch rechtzeitig zum Bus geschafft habe) zum Wochenendausflug mit ESN nach Portugal.
Nach ungefähr sieben Stunden Busfahrt mit Zeitumstellung kamen wir am frühen Nachmittag in Sintra an. Sintra ist eine Kleinstadt westlich von Lissabon, die für ihre teils Jahrhunderte alten Paläste zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Ich glaube, dass es in dieser teils an steilen Hängen gebauten Stadt wirklich viel zu sehen gibt, allerdings hatten wir nur ein paar Stunden Zeit, weshalb wir hauptsächlich die Quinta da Regaleira, die Sommerresidenz der Familie Carvalho Monteiro besuchten. Der Palast mit seinen vielen Türmen, reichlich verzierten Sälen sowie die riesig große Außenanlage mit Wasserfällen und geheimen Tunneln waren sehr eindrucksvoll. Carolina – die columbianische Studentin, die genau wie ich in Coburg studiert – und ich sind zwei Stunden lang durch die großen Gärten gewandert (was anstrengender war als es sich anhört, wenn man bedenkt, dass dieser Garten komplett am Hang gelegen ist). Danach waren wir noch ein bisschen in der Stadt unterwegs und haben ein portugiesisches Gericht probiert. Den Namen weiß ich zwar nicht mehr, ich weiß nur noch, dass ich, obwohl es sehr lecker war, nicht zu lange darüber nachdenken sollte, was ich gegessen habe. Denn ein Steak im Brot mit Spiegelei, das mit Schinken belegt und mit wirklich viel Käse überbacken ist, gekocht in einer scharfen, cremigen Soße ist sicherlich nicht der Inbegriff von gesundem Essen.

Carolina und ich Beim Erkunden der tollen Außenanlage Leckeres Essen...verhängnisvoll. Sintra

Mit dem Bus ging es dann so um Sieben weiter zu dem Ort „…wo die Erde endet und das Meer beginnt“, zum westlichsten Zipfel Portugals und gleichzeitig Europas, dem Cabo de Roca. Der Ort hat etwas Wunderschönes und Beruhigendes an sich…

Dort haben wir alle zusammen in einem einzigartigen Licht den Sonnenuntergang angeschaut.

Sonnenuntergang

 

Nach diesem einzigartigen Erlebnis sind wir nach Lissabon gefahren und haben in unser Hotel eingecheckt. Ich habe mir mein Zimmer mit neun sehr netten Mädels aus unserer Gruppe geteilt, die ich vorher alle nicht kannte. Es ist schon lustig, sich mit Französinnen, Italienerinnen und Polinnen auf Spanisch als gemeinsame Sprache zu unterhalten. Gemeinsam haben wir uns fertiggemacht und sind dann in der Großgruppe wie geplant zu einem Club gelaufen, wo eine Erasmus-Party stattgefunden hat. Ehrlich gesagt, der Club war zwar ziemlich schick und es wurde viel Tamtam gemacht, allerdings hat ein Blick auf die Getränkekarte die gesamte Gruppe ernüchtert…wörtlich. Denn bei einem 0,2l Bier für 4 Euro überlegt man sich dann doch zweimal, ob einem das wert ist…von den Cocktails ab 10 Euro ganz zu schweigen. Und die Musik war auch nicht der Brüller. Ja es gibt Momente, da fehlt mir die Wooloo in Coburg wirklich sehr. ;-)
Am zweiten Tag kam dann eine Erkenntnis, mit der niemand so wirklich gerechnet hatte, die uns aber etwas ins Gedächtnis rief, was wir in der Hitze Spaniens leicht vergessen konnten.

Nämlich, dass es eben auch mal regnen kann. Besser gesagt, dass es so richtig beispiellos schütten kann und zwar nicht eine oder zwei Stunden, sondern den ganzen lieben langen Tag, mit einer Intensität, der weder Regenschirme noch feste Schuhe standhalten können. Es war ein bisschen schade, denn natürlich lebt die Schönheit der bunt verschnörkelten Häuser Lissabons von Sonnenschein, aber wir waren trotzdem alle von Anfang bis Ende dabei, um uns die historischen Plätze, die alte Tram und verschiedene Gebäude anzusehen (wobei man von den meisten Aussichtspunkten leider nur vermuten konnte, was man hätte sehen sollen, da die Stadt die meiste Zeit in einem dichten Nebel lag). An dieser Stelle möchte ich einen positiven Fakt einfügen, nämlich die Tatsache, dass ich dank diesem Wochenende eine ganze Palette spanischer Wörter im Zusammenhang mit Regen gelernt habe, darunter solche als Regenschirm (paraguas), nass und Sauwetter (nicht zuletzt dank der plötzlich aus dem nichts aufgetauchten 46346 Regenschirmverkäufer).

Tram 28...im Regen. Tolle Aussicht auf Lissabon...im Regen. Gruppenfoto...im Regen.

Mittags war ich zusammen mit meinen Zimmergenossinnen in einem kleinen portugiesischen Restaurant. Es war wirklich eigentümlich, aber sehr gemütlich, mit einer Theke und dicht aneinander gedrängten Tischen, an denen die Leute ihr Mittagessen zu sich nehmen, während sie portugiesisches Fernsehen schauen. Die Leute waren alle sehr freundlich und nach unserem Hauptgang bekamen wir eine dieser typischen portugiesischen Gebäcksüßigkeiten (leider kann ich mich wirklich nie an die Namen erinnern). Ich muss zugeben, noch nie habe ich so leckere und einzigartige Gebäckstücke gegessen wie in Portugal! Nachmittags waren wir noch im Castelo de S. Jorge, welches ich mit Carolina zusammen besichtigt habe. Allerdings waren wir aufgrund des Wetters nicht ganz so motiviert, zumal die gesamte Anlage bis auf das Museum keine Überdachung hat. Also haben wir den Rest unserer Freizeit genutzt, um ein paar Andenken zu kaufen (so auch einen speziell für Lissabon bekannten Portwein). Abends gab es für die gesamte Gruppe ein großes Erasmus-Dinner mit den Erasmusstudenten von Lissabon. Über hundert Leute waren in dem großen Speisesaal, in dem wir ein großes mehrgängiges Essen serviert bekamen (zusammen mit nicht endendem Nachschank an Tinto und Bier…). Der Abend war wirklich toll und unterhaltsam, es wurde viel gesungen und getanzt. Später sind wir dann alle zu einem weiteren Club gelaufen. Dieser hat mir um einiges besser gefallen als der vom Abend davor; zwar waren die Preise die gleichen, allerdings war die Musik um Welten besser und die Leute, mit denen ich diesen Abend verbracht habe, haben wirklich für Stimmung gesorgt, sodass wir bis früh morgens getanzt haben.

Beim mexikanischen Trinkspiel...Fondo, fondo, fondo...

Sonntag um ca. 11.00 Uhr (wirklich eine humane Uhrzeit, für viele von uns allerdings immer noch viiiiel zu früh) ging es dann noch zur Besichtigung des Torre de Belém, einem der bekanntesten Wahrzeichen Lissabons. Zum ersten Mal seit unserer Ankunft in der Hauptstadt klarte der Himmel auf und es wurde innerhalb weniger Minuten sehr warm. Zum Abschluss besuchten wir noch das Monasterio de los Jerónimos de Santa María de Belem, ein altes Mönchskloster. Die Schlange dafür war sehr lang und noch während wir warteten, begann es trotz Sonnenstrahlen wieder zu regnen. Nunja…wer mir eigentlich leid tat, waren die Organisatoren unseres Ausflugs, die Leute von ESN Sevilla. Sie haben uns trotz des Wetters eine wunderschöne Reise beschert, allerdings schien es während des Trips Schwierigkeiten mit den Organisatoren von ESN Lisboa zu geben. Normalerweise arbeiten die Teams bei solchen Besuchen zusammen und organisieren selbst die Stadtführungen für die jeweils kommende Gruppe. Wir haben davon natürlich nicht viel mitbekommen, aber als einer der Organisatoren aus unserer Gruppe auf uns zukam und meinte: „Leute, es tut mir wirklich leid, aber die haben unsere Gruppe nicht für die Besichtigung angemeldet…wenn ihr trotzdem reinwollt, müsst ihr fünf Euro zahlen und warten, es tut mir sehr leid“ sah man ihm die Anspannung schon etwas an. Mir tat das für ihn und die anderen einfach nur leid, denn es gab überhaupt keinen Grund, warum sie sich schlecht fühlen sollten. Wir hatten eine tolle Reise und uns wurde von vorne bis hinten alles ermöglicht und so angenehm wie möglich gestaltet! Und für diesen Fehler konnten sie ja nichts, sowas passiert nunmal!

Also, ich möchte hier an dieser Stelle noch einmal sagen, dass die Leute von ESN Sevilla wirklich einsame Spitze sind und sich wirklich um alles und jeden nach bestem Wissen und Gewissen kümmern und ich wahnsinnig glücklich bin, dass ich die Möglichkeit habe, hier bei so vielen Aktivitäten teilzunehmen und so tolle Erfahrungen zu sammeln!!!

Torre de Belém ...bei nicht ganz so viel Regen. Kloster

Nach diesem letzten Stopp ging es dann auch schon wieder nach Hause…wo ich mich voller Freude auf den Besuch von zwei meiner besten Freundinnen (an dieser Stelle: Elly, ja DU, musst auch noch kommen <3), Käddel und Rebecca Spaghetta vorbereitet habe. Die Zeit lässt sich nach den ereignisreichen letzten Wochen als Balsam für meine Seele beschreiben. Natürlich haben wir viel die Stadt angeschaut und auch Party gemacht…vor allem haben wir aber einfach stundenlang zusammen gesessen (oder auch gelegen :-D) und geredet. Und das war einfach wunderschön und ich war sehr glücklich darüber und freue mich schon jetzt, wenn ich hoffentlich im Dezember nach Dänemark fliegen kann, um zu schauen, wie die beiden in ihrem Erasmus-Semester so leben.

Und so allgemein möchte ich anmerken, ist hier jeder als mein Besucher/meine Besucherin herzlich willkommen. <3

Auf der Fiesta alemana :-)

Die Woche mit den Mädels ging viel zu schnell vorbei. Letzten Dienstag habe ich sie morgens schon wieder zum Bahnhof bringen müssen. Allerdings hatte ich nicht viel Zeit, um Trübsal zu blasen, da noch am gleichen Tag die „Recoghymka“ stattgefunden hat, also die offizielle Einführung für die Becarios in meiner Residenz und auch für mich als Praktikantin. Mehrere Stunden sind wir in vielen kleinen Gruppen durch Poligono Sur gelaufen, haben verschiedene soziale Einrichtungen besucht und einiges über die Geschichte des Viertels erfahren und warum sich so hartnäckige Vorurteile gebildet haben, die sämtliche Leute, mit denen ich über meinen Wohnort spreche dazu verleiten zu sagen: „Oh…kannst du noch umziehen?“ Aber ja, das ist eine Geschichte, die ich demnächst genau erzählen werde, wenn ich richtig angefangen habe zu arbeiten. Ich hatte heute nochmal ein Treffen mit meinem Tutor und nächsten Dienstag werde ich zusammen mit einer der Sozialarbeiterinnen die Archive über das Viertel und die Aktivitäten von der residencia Flora Tristán durchackern, um den großen Zusammenhang noch besser zu verstehen und schonmal ein bisschen Stoff für meine Hausarbeit zu sammeln.

Recoghymka

Es wird Zeit, dass ich ins Bett komme, durch die Fiesta de las 90’s gestern (bei der Chiara und ich übrigens die EINZIGEN waren, die sich verkleidet hatten, was mehr cool als traurig war (und traurig eh nur für die anderen, die sich diesen Spaß haben entgehen lassen)) habe ich nicht allzu viel Schlaf abbekommen. Morgen fahre ich mit Elena und einer Gruppe nach Cádiz zum Brot backen und Wandern. In Sevilla hat es die letzten Tage auch öfter mal geregnet, allerdings ist es Gott sei Dank immer noch warm und der Regen hört dankenswerterweise auch wieder auf nach einer Zeit.

Also, dann mal gute Nacht und bis hoffentlich (wenn ich es denn mal schaffen sollte) bald!

Sowas von 90's Cookie Monster ist endlich auch mal dabei! Sevilla... ...nach wie vor atemberaubend!

Como se dice...sabes...Wäscheständer?

Dienstag, 29.09.2015

„Nach einer Woche wird es mal wieder Zeit für ein Update. Ich kann nicht glauben, wieviel ich in den letzten sieben Tagen erlebt habe. Es passiert so viel, dass es sich anfühlt, als wäre ich schon ewig hier.“ – So fing der Blogeintrag an, den ich vor 11 Tagen zu schreiben begonnen hatte. Allerdings habe ich es einfach nicht geschafft ihn fertigzuschreiben, deshalb wird die Zusammenfassung der letzten Wochen jetzt doch nochmal ne längere Geschichte. ;-)

Also… Nachdem ich etwas Trübsal geblasen hatte, weil mein Freund wieder zurück nach Deutschland gegangen ist (8. September), habe ich beschlossen, mich nicht weiter runterzuziehen, sondern aktiv zu werden und jede Sekunde zu genießen. Also habe ich Ada zum Mittagessen eingeladen (das aus Nudeln und passierten Tomaten mit Salz und Pfeffer bestand, da mein Haushalt noch nicht so gut ausgestattet war mit Gewürzen und solchen Dingen, die man normalerweise immer vorrätig zuhause hat, mir das aber erst beim Kochen bewusst geworden ist). Sie kommt aus Polen, ist eine wirklich lustige Person, macht auch Erasmus und wohnt in der Wohnung direkt über mir im Wohnheim.
Nachmittags habe ich mich in die Stadt aufgemacht, weil dort von ESN Sevilla wieder eine Stadtführung angeboten wurde. Dort habe ich Joonas aus Finnland und Cara aus Deutschland kennengelernt, mit denen ich mich seither öfter getroffen habe. Die Stadtführung hat sich auf das Centro konzentriert, wir haben ein paar Infos zum Torre del Oro (in dessen Inneren sich ein kleines Schifffahrtsmuseum befindet), dem Torre del Plata und der Puerta de Jerez bekommen. Außerdem waren wir am Plaza de España, der wirklich wunderschön und majestätisch ist und darüber hinaus wahrscheinlich der wichtigste aller „Plazas de España“ in Spanien (sagte zumindest unser Tourguide ;-) ). Der Platz wird von einem halbkreisförmig erbauten Gebäude umschlossen, welches mit vielen Klinkern, Keramiken und Marmor verziert ist. An seinen Wänden befinden sich Kachelornamente, die an die spanischen Provinzen erinnern sollen. Die Öffnungsrichtung des Halbkreises soll eine metaphorische „Umarmung“ in Richtung der südamerikanischen Kolonien bedeuten.

Plaza de España ...bei Nacht Während der Stadtbesichtigung


Nach der Tour waren Joonas, Cara und ich zusammen im Duplex Tapas essen. Cara hat einen Bekannten von sich eingeladen, Amer, und wir haben einen wirklich tollen Abend zusammen verbracht.
Zwischenzeitlich ist auch meine Mitbewohnerin eingezogen, Chiara. Sie kommt aus Italien, studiert Deutsche und Spanische Übersetzung und ist einfach super lieb! Wir leben jetzt seit etwa zwei Wochen zusammen und kommen sehr gut miteinander aus, unternehmen viel gemeinsam, teilen alles, was wir haben und kümmern uns um den anderen, als würden wir uns schon ewig kennen. :-D Es wäre bestimmt noch leichter, aber auch nur halb so lustig, wenn wir uns sprachlich nur ein bisschen besser verstehen könnten. Deutsch sprechen kann sie nicht wirklich (aber ich helfe ihr bei ihren Hausaufgaben, dafür hat sie schon paarmal Pasta gekocht ;-) hehe), und unser beider Spanisch hält sich auch noch in Grenzen. Englisch verstehen kann sie, sprechen allerdings nicht so, und da ich aus Schulzeiten noch ein bisschen italienisch verstehe, verständigen wir uns in einem totalen Sprachmischmatsch, der nur für solche Leute verständlich ist, die zusammen leben und wissen, was der andere meint, wenn er wild gestikulierend vor einem steht und meint: „Allora, tenemos que comprar el…para…the laundry, sabes, cuando está…nass, después hay que…“ – „Si, yo entiendo“ (Wäscheständer kaufen).
An jenem Donnerstag danach jedenfalls war ich komplett im Eimer wegen einer fiesen Erkältung und musste den Tag zuhause verbringen. Dafür ging es mir Freitags aber wieder besser und ich konnte zur offiziellen Willkommensveranstaltung der Universidad Pablo de Olavide gehen (die übrigens weit außerhalb vom Zentrum Sevillas liegt, ich habe es von meinem Wohnheim allerdings nicht weit bis dahin), bei der wir alle wichtigen Infos zu diesem Auslandssemester bekommen haben. Es waren bestimmt 300 oder mehr Erasmusstudenten und internationale Studierende aus anderen Programmen anwesend! Die wichtigen Leute der Hochschule (Leitungen verschiedener Fakultäten, Koordinatoren der internationalen Programme etc.) hielten Willkommensreden in verschiedenen Sprachen (auch eine Begrüßung auf Deutsch war dabei  ). Danach wurden wir in Gruppen eingeteilt und durch die wichtigsten Gebäude der Uni geführt, wobei uns erklärt wurde, wie wir uns für die Dinge registrieren müssen etc. Es war manchmal ein bisschen schwierig und ermüdend, die ganze Zeit zuzuhören, da es für mich natürlich immer noch schwierig ist, mich auf das Spanisch zu konzentrieren. Es wirkte auch (nicht nur auf mich) etwas kompliziert, wie man sich für die Dinge einschreiben muss und was man alles beachten muss. Aber das habe ich mittlerweile größtenteils geschafft und die Leute hier sind super freundlich und jeder versucht so gut es geht weiterzuhelfen.
Die Uni hat ein großes Angebot an Sportarten, allerdings kenne ich mich und meine Faulheit (die Motivation für den Fahrtweg zur Uni mit dem Fahrrad…wird nach einer Woche sicher nicht mehr vorhanden sein). Es gibt aber einen Cardio-Boxing Kurs hier direkt im Wohnheim, bei dem Chiara und ich gern mitmachen möchten. Außerdem hat die Uni eine (im Vergleich zu Coburg zumindest) sehr große Bibliothek und sobald ich verstanden habe, wie man sich dort Bücher ausleihen kann, kann das intensive Lernen beginnen ;-P.
Abends haben sich dann viele der Erasmusstudenten am Torre del Oro in der City getroffen, um gemeinsam ein paar Bier zu trinken und dann zur Willkommensparty ins „Bilindo“ zu gehen. Joonas, Amer, Cara, Carolina und Ada waren auch da und gemeinsam haben wir zu Latino-Musik draußen gefeiert. Ich bin mit dem Fahrrad in die Stadt gefahren, mit dem festen Vorsatz, damit auch wieder heimzufahren, aber um sieben Uhr morgens haben Ada und ich dann doch ein Taxi genommen und das Fahrrad in den Kofferraum geladen. Soviel übrigens auch zum Thema Lernen ;-P.
Den Samstag habe ich mit dem Versuch verbracht, mich für die ersten Kurse einzuschreiben. Ich habe von meiner Uni genaue Vorgaben, welche Themen ich im Bereich Soziale Arbeit wählen soll und das ist hier gar nicht so einfach. Ich kann aus sämtlichen Fächern der Facultad de Ciencias Sociales (also nicht nur aus dem Bereich Soziale Arbeit, sondern auch Soziologie, Educación Social etc.) wählen und darüber hinaus aus sämtlichen Semestern. Den Stundenplan erstellt man online, es gibt mehrere Male die gleiche Vorlesung zu einem Fach und man muss sich dann zeitlich die passenden heraussuchen. Außerdem gibt es zu den Theorievorlesungen noch Praxisstunden, in denen das Wissen durch Diskussionen vertieft wird und man darüber hinaus seine Gruppenarbeit vorbereitet. Denn zusätzlich zur schriftlichen Prüfung am Ende kommen noch eine Hausarbeit und ein Referat pro Fach. Bis zum 27. September stand es uns frei, Kurse zu wählen und zu wechseln, da wir in der „Orientierungsphase“ waren, und nach vielem Hin und Her, verzweifelten Mails an diverse Lehrkräfte und viiiielen für immer verlorenen Nerven habe ich jetzt endlich drei Kurse á 6 ECTS und ein Praktikum á 12 ECTS (und ich brauche auch 30 ECTS, um dieses Semester zu bestehen). Allerdings ist es wirklich schwierig für mich, auch nur ansatzweise zu verstehen, was ich gerade tun soll…

An jenem Sonntag (13.9.) war dann aber wieder Strand angesagt: diesmal ging es mit den Erasmusleuten nach Bolonia. Es war nicht so heiß wie in der Woche zuvor, aber wir sind trotzdem in den Atlantik schwimmen gegangen. Einmal, für ca. fünf Minuten, denn dann haben wir unsere Beine nicht mehr gespürt. Es war ein toller Tag mit einem zweistündigen, kläglichen Versuch eine Sandburg zu bauen, die der Flut standhält. Und abends gab es wieder Paella vom ESN Team. Ich bewundere wirklich, was diese Leute alles leisten! Woher sie die Energie nehmen, sich an einem Sonntag, an dem sie den ganzen Tag schon Animateure für uns gespielt und alles organisiert haben, abends noch in die Bar zu stellen und für alle Anwesenden umsonst Paella zu kochen. Wahnsinn! Und auch sonst ist das Team 24/7 für alle Fragen offen und für jeden erreichbar. Ich bin wirklich froh und dankbar, dass die Leute hier so tolle Arbeit machen und uns Erasmusstudenten damit den Einstieg und das Eingewöhnen so unheimlich erleichtern.

Playa de Bolonia Bolonia mit ESN

Am folgenden Montag dann habe ich mir erstmal einen Studentenausweis im International Office besorgt (man braucht dazu nur ein Passfoto abgeben und kurz ein Ausweisdokument zeigen) und es endlich innerhalb der Öffnungszeiten geschafft, meinen Laptop und mein Handy für das W-LAN an der Uni und im Wohnheim konfigurieren zu lassen (das sich seither aber schon zweimal wieder zurückgesetzt hat, aaaaaber ich habe mir innerhalb von dreieinhalb nervenaufreibenden Stunden mit einem spanischen Anleitungsdokument der Hochschule selbst beigebracht, wie man es konfiguriert. YEY!) Danach war ich mit Cara in der Stadt zum Kaffee trinken, und wir haben uns gleich ein Ticket für den nächsten Strandsonntag in Tavira gekauft.
Mittwochs waren Cara und ich dann auf dem Fahrrad insgesamt anderthalb Stunden unterwegs zum Pabellón de Marruecos, der zur Expo 1992 eröffnet wurde. Es ist ein wirklich wunderschönes, durchdachtes Bauwerk, dessen Konstruktion und Verzierung gänzlich religiöse Bedeutungen haben. Heute wird der Pabellón von der sogenannten „Fundación Tres Culturas del Mediterráneo“ genutzt. Es gibt viele verschiedene kulturelle Veranstaltungen dort, die unter anderem dem Zweck dienen, Menschen verschiedener Kulturen und Religionen einander näher zu bringen. Zum Beispiel gibt es dort jeden Dienstag kostenloses Kino (ja, ganz recht, die haben dort in den „Keller“ ein Kino gebaut), wo Filme verschiedener Länder in der jeweiligen Originalsprache ausgestrahlt werden.

Pabellón de marruecos

Nachdem wir mittags bei Cara gekocht hatten, sind wir dann zusammen mit Joonas zum Torre del Oro, um mit den ESN- Leuten nach oben zu gehen. Die Aussicht auf den Guadalquivir ist toll! Nach der Besichtigung ging es dann zu einer Cerveceria nahe Puerta de Jerez und später zum Essen in die Stadt, wo wir Amer und noch andere Erasmus-Leute getroffen haben.

:-)
Nachdem ich mich donnerstags um Papierkram und Unizeug gekümmert hatte, waren wir (Cara, Chiara, Ada, Magda, Joonas und Catherine (die ihr Erasmusjahr mittlerweile abgebrochen hat (und es jetzt schon wieder bereut)) bei Amer zum Pasta essen (er wollte uns einmal zeigen, wie Italiener Pasta machen, und sie war wirklich einmalig lecker!). Abends waren wir dann mit anderen Erasmusleuten zum Feiern im „Casino“, allerdings war es dort wirklich sehr voll und Cara, Chiara und ich sind bald nach Hause gefahren. Unser Taxifahrer war super lustig und hörte Muse und Red Hot Chili Peppers, die Stimmung im Taxi war wie im Film, ich kann es nicht anders beschreiben :-D.
Auch Freitags waren wir nochmal alle zusammen feiern, diesmal wieder im Bilindo. Auch hier war es brechend voll, nicht gerade förderlich für doch eher kleinere Menschen wie Cara und mich ;-). Samstags war Unikram dran (es macht echt nicht so viel Spaß, einen Text zu lesen, wenn man jedes zweite Wort nachschlagen muss…und nur weil man ein Wort nachgeschlagen hat, heißt das ja nicht gleich, dass man es sich dann auch merkt und es in seinen aktiven Wortschatz aufnimmt…), sonntags waren wir mit der ESN-Gruppe dann in Tavira am Strand (20.9.). Das erste Mal auf portugiesischem Boden !!!

Die letzte Woche war ziemlich anstrengend für mich. Da meine Theorie-Kurse alle nur montags angeboten werden und ich zu dem Zeitpunkt noch dachte, dass ich vier Kurse belegen muss (da ich nicht wusste, dass mein Praktikum quasi doppelt zählt), hatte ich mit den praktischen Stunden am Montag 10 (!) Stunden Uni. Es ist jetzt nicht wirklich viel besser, ich habe Montags immer noch 8, allerdings nur alle zwei Wochen, da die EPDs (praktische Lehrveranstaltungen) nur alle zwei Wochen stattfinden. Der Rest der Woche war etwas entspannter (da ja fast alles montags stattfindet, haha), aber das Nacharbeiten der Vorlesung kostet mich derzeit noch viiiiiel Geduld und Nerven. :-D Aber ich will nicht jammern, das wusste ich schon vorher! Und dafür bin ich ja hier!
Donnerstag morgen wollte ich endlich meine Praktikumsformulare ausfüllen gehen (ich hatte es schon mittwochs versucht, allerdings war nach der Siesta für die für mich zuständige Frau Feierabend….was ich nicht wusste, weshalb ich schon zweimal dort war). Die Frau hat mir dann mit Händen und Füßen erklärt, was ich alles machen muss, und ich wollte das dann stolz bei der Einführungsveranstaltung in meinem Wohnheim, von wo aus ich auch arbeiten werde, meinem Tutor zeigen. Erstmal: es war keine Einführungsveranstaltung, wie ich dachte, sondern das Treffen der Organisatoren für die Einführungsveranstaltung, weshalb ich mich die ganze Zeit ernsthaft gefragt habe, warum ich dort hingehen sollte. Ich konnte nämlich nicht viel mehr machen als nett lächeln und Elena, eine Rumänin neben mir, von der Seite her hilflos anschielen (sie hat mir allerdings sehr viel weitergeholfen und ist eine wirklich nette Person). Jedenfalls bin ich jetzt wohl „im Orgateam“ (und habe keine Ahnung, worum es überhaupt geht), gleichzeitig aber auch „Teilnehmerin“ der Einführungsveranstaltung am 20. Oktober, aber außer Elena und mir scheint dieses Problem niemand so richtig verstehen zu wollen.
Mein Praktikumstutor meinte dann auch, ich soll mir mit allem keinen Stress machen und dass das alles klappen wird, solange ich immer dann arbeite wenn er es möchte (und er hat mir schon zu verstehen gegeben, dass das nicht so oft sein wird, wie ich angenommen hatte). Als er meine Dokumente aus dem Büro gesehen hat, meinte er erstmal, die Frau dort sei „tonta“ (blöd) und dass ich das alles gar nicht brauche und dass er das auf seine Art machen wird. (Die Frau im Büro meint aber, ich brauche es sehr wohl, wenn ich bestehen möchte…ich habe ihr dann lieber nicht gesagt, was mein Tutor dazu meinte.)
Soviel zu meinem Unileben.

Eine Sache, die zu erzählen mir wirklich am Herzen liegt, ist Folgendes: In Sevilla im Stadtzentrum sehe ich immer wieder Menschen am Straßenrand sitzen, mit Schildern,auf denen steht „Ich bin arm und obdachlos, habe meinen Job verloren“ etc. Viele kommen aber auch zu den Touristen oder Einwohnern, während sie in Restaurants sitzen, und bitten um Geld. Ich bin diesbezüglich schon sehr oft in einem Konflikt mit mir selbst gewesen, da ich keine Ahnung habe, wie ich damit umgehen soll, und ich denke, es ist keine Schande das einzugestehen. Dass es hier Armut und Obdachlosigkeit gibt, ist nicht zu bestreiten und sicherlich ein wichtiges Thema, dem man (also auch ich!) Beachtung schenken muss.
Ich hatte Diskussionen mit ein paar Anderen darüber, die jeweils eine ganz klare Meinung vertreten; als nämlich gerade zum dritten Mal jemand zu uns kam (diesmal eine ältere Frau im Rollstuhl) und ich einfach nicht mehr wusste, ob ich jetzt noch was geben soll oder nicht, meinte einer: Warum gibst du ihr etwas? Wegen deinem Gewissen? Und warum gibst du ihr dann nicht mehr, statt 50 Cent einen Euro, statt einem Euro fünf? Und eine andere meinte: Also ich gebe den Leuten lieber etwas zu essen. Von dem Geld kaufen sie sich vielleicht Alkohol oder andere Drogen. Es gibt ja auch solche Banden, die andere dazu zwingen, sammeln zu gehen, wenn ich ihnen Essen gebe, haben wenigstens sie was davon.
Ich finde das wirklich schwierig. Ersteres Argument, finde ich, ist durchaus eine Auseinandersetzung wert. Denn wenn ich jemandem z.B. 50 Cent gebe und später darüber nachdenke, hätte es auch ein Euro sein können. Aber dann lieber gleich gar nichts zu geben, finde ich auch nicht richtig. Ich habe einen Blog von einem Sozialarbeiter darüber gelesen, der meinte, es wäre wichtig, sich Gedanken zu machen, wie viel man für sich selbst hat und wie viel man geben kann, wenn man möchte. Letztendlich weiß ich, dass eine Änderung des Systems notwendig ist und auch das Verstehen von Obdachlosen in ihrer Lebenswelt; nicht jede Person, die auf der Straße lebt, ist „in einer organisierten Verbrecherbande“; ich denke, dass es wichtig ist, den Leuten in die Augen zu schauen und den Blick nicht abzuwenden; denn das schließt diese Menschen vielleicht noch mehr aus als die Tatsache, kein Geld zu haben. Selbst wenn man nichts geben kann oder will, sollte man allen Menschen auf Augenhöhe begegnen und sie als Menschen respektieren.
Ich habe deshalb auch lange über das „Ich gebe Leute lieber essen“-Argument nachgedacht. Ich weiß nicht, ob viele Leute hier in Spanien hungern müssen. Vielleicht freut sich der ein oder andere auch über ein Sandwich oder was weiß ich. Aber – und das fand ich auch ein interessantes Argument in besagtem Blog – es wirkt auch wie eine „erzieherische Maßnahme“, Essen zu geben. So ein „Ich möchte nicht, dass du dir von meinem Geld etwas kaufst, das ich selbst für nicht richtig halte.“, ohne zu wissen, ob dem tatsächlich so ist und ohne darauf einzugehen, was der andere vielleicht möchte („Ich gebe ihm/ihr Essen, das ist das Beste, das er/sie kriegen kann“). Es ist sicherlich ein gut gemeinter Gedanke, dass man für den anderen nichts schlechtes möchte, aber es ist auch ein anmaßender Gedanke, wie ich finde. Natürlich ist es eine schöne Geste, sein Essen mit anderen zu teilen, das finde ich zweifellos, aber grundsätzlich sollte jede Person die Freiheit besitzen, selbst zu entscheiden, was sie tut/kauft oder nicht, oder? Wahrscheinlich ist das Wichtigste die Kommunikation, aber gleichzeitig ist das auch das Schwierigste. Und sollte diese Person dann doch Opfer von organisiertem Verbrechen sein, wäre das Essensargument ja auch wieder eine neue Überlegung wert. Schwieriges Thema, wirklich. Ich werde zweifellos noch viel darüber nachdenken müssen und freue mich über jede Meinung dazu.


Zurück zum Rest der Woche…
von letztem Freitag bis Sonntag Abend war ich mit We love Spain, einer weiteren Organisation für internationale Studierende, drei Tage in Portugal.  Unser Hotel lag in Albufeira, einer Touristenstadt mit wirklich vielen tollen, amüsanten Bars und Clubs, wie wir an den zwei Abenden dort feststellen durften. ;-) Freitagnachmittag war erstmal Strand angesagt und danach eine Fahrt auf einem megakrassen Speedboat, das mit uns an der portugiesischen Küste langgerauscht ist. Wir haben wirklich eindrucksvolle Höhlen gesehen und das Licht zu Sonnenuntergang war herrlich. Vom Speedboat ging’s dann noch auf ein „Piratenschiff“, von dem letztendlich jeder in das eiskalte Wasser gesprungen ist.

Piratenschiff-Ausflug Hafen bei Albufeira
Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Nur „unser Fotograf“, der für alle Trips von We love Spain angeheuert wird, um Rund um die Uhr Fotos zu machen, hat es etwas übertrieben. Ich bin ehrlich gesagt kein großer Fan von dem alle-zwei-Sekunden-für-ein-Bild-posen-Ding, aber den meisten anderen schien es zu gefallen. Die meisten Mitreisenden waren Studenten aus den USA, und, ohne jetzt Vorurteile oder Klischees auspacken oder festigen zu wollen, kann ich nur sagen, dass diese hier teilweise echt ein bisschen anders ticken ;-).

Nach einer echt tollen Party abends in drei verschiedenen Clubs waren wir Samstags „am Ende der Welt“, am Cabo de São Vicente, der Südwestspitze Portugals und gleichzeitig Europas, welche durch bis zu 70m hohe Steilküste gekennzeichnet ist. Der Ort hat etwas Magisches; war während der gesamten Fahrt dorthin noch strahlender Sonnenschein, lag am damaligen „Ende der Welt“ alles in einem seltsamen Nebel; ich kann mir gut vorstellen, dass Leute damals glaubten, dahinter gäbe es nur noch das Nichts.

Das Ende der Welt Letzte Bratwurst vor Amerika!
Nach dem Cap sind wir zu einem wunderschönen Strand bei Lagos gefahren, wo ich mit meinen beiden Hotelzimmerfreundinnen Sarah und Jamila (wir sind zufällig in ein Zimmer gekommen, da wir die drei einzigen alleinreisenden Mädels waren, und es hat einfach super gepasst) den Tag verbracht habe. Abends waren wir zum Essen und Spaziergang in Lagos; die Stadt ist klein und wunderschön, mit vielen Gassen, gepflasterten Wegen und kleinen weißen Gebäuden. Sie ist auf jeden Fall einen Besuch wert, schade, dass wir nur zwei Stunden dort waren. Am Sonntag waren wir dann noch einmal an einem anderen Strand näher an Albufeira, bevor es wieder zurück nach Sevilla ging.

Strand bei Lagos Noch mehr Strand bei Lagos Ich am Strand von Lagos ;-) Lagos
Ich kann den Reiseveranstalter We love Spain organisatorisch und programmtechnisch sehr empfehlen, allerdings eher für Leute, die auf einen Partykurztrip aus sind ;-). Gut gesorgt wurde jedenfalls für jeden. Lieblingsessen in Portugal für mich war der Tarte portuguese, sowie diverse andere Gebäckstücke und Süßigkeiten, deren Namen ich schon wieder vergessen habe. Ich freue mich sehr, noch mehr von Portugal zu sehen, wenn es in zwei Wochen nach Lisboa geht!!!

Heute habe ich dann mal wieder Uni gehabt, und die nächste Woche werde ich viel lernen und vor allem nachschlagen müssen. Aber es ist absolut toll hier und ich fühle mich sehr wohl!  Ich versuche dann mal, meinen nächsten Eintrag etwas zeitiger zu verfassen ;-).

Also bis dann, hasta luego y buenas noches ;-)

Sevilla Eindrücke Las setas :-P einfach wunderschön!

"Sopra la panca, la capra campa, sotto la campa, la capra freca" (ital. Zungenbrecher)

Hola...Gracias...Hasta luego. Die erste Woche.

Samstag, 12.09.2015

Geschrieben am Mittwoch (hochgeladen wegen diverser Internetschwierigkeiten erst heute).

Heute vor einer Woche bin ich in Sevilla angekommen. Ich versuche einmal zusammenzufassen, was bis jetzt passiert ist und welche ersten Eindrücke ich von der Stadt und dem Leben hier bekommen habe.

Unsere Reise begann um 15 Uhr im Saarland, von wo aus meine Großeltern mich zum Frankfurter Flughafen gebracht haben. Mit uns meine ich mich und meinen Freund, welcher beschlossen hatte mich die ersten paar Tage nach Sevilla zu begleiten um mir zu helfen, aber natürlich auch um Urlaub zu machen.
Mit dem Flug nach Madrid hatten wir großes Glück, denn unsere Maschine von LAN Airlines flog die Stadt nur als Zwischenstopp an, um danach direkt weiter nach Südamerika zu fliegen. Für uns bedeutete das eine höchst komfortable Reise mit eigenem Bildschirm, Spielen, Filmauswahl, USB-Anschluss etc. Nach unserer Landung in Spaniens Hauptstadt fuhren wir mit der U-Bahn zur Station Mendez Alvaro und nahmen dort spontan einen Reisebus für 23 Euro nach Sevilla. Zwar dauerte die Fahrt 6 Stunden, aber der Bus war recht bequem und wir konnten etwas schlafen.
Ca. um halb 7 Uhr morgens kamen wir in Sevilla an. Von der Busstation fuhren wir mit dem Taxi zu meiner Unterkunft, der residencia universitaria Flora Tristán. Sie liegt im Poligono Sur, einem Randviertel von Sevilla mit einem ziemlich schlechten Ruf. Anders als so ziemlich alle anderen Erasmusstudenten habe ich mich jedoch dazu entschieden, in diesem Viertel im Wohnheim zu wohnen, da ich dort auch ein Praktikum für mein Soziale-Arbeit-Studium machen werde. Außerdem besteht dort im Wohnheim eine größere Chance, mich mit anderen Spanier_innen anzufreunden. Das Erasmus-Programm ist toll bisher und die Leute sind auch alle offen, freundlich und immer für Spaß zu haben, trotzdem möchte ich auch diese „andere Seite“ von Sevilla kennenlernen; wie ginge das besser als so.
Über die Wohnung kann ich mich keinesfalls beklagen: 70m², in denen zwei Schlafzimmer, zwei Bäder mit Badewanne, ein Arbeitsraum, ein Wohnzimmer, ein Balkon und die Küche untergebracht sind. Es ist ordentlich und zweckmäßig eingerichtet, einziges Problem ist, dass es hier kein WLAN gibt und ich für den Internetzugang ziemlich kämpfen muss (dazu gleich mehr).
Das Wohnheim hat einen großen Gemeinschaftsbereich, in dem es auch Fernseher und Computer gibt. Außerdem habe ich bislang eine Bibliothek, einen Fitnessraum, diverse Arbeitsräume und Büros für die Mitarbeiter_Innen entdeckt. Hier finden, wie ich mitbekommen habe auch viele gemeinschaftliche Aktivitäten statt, da werde ich mich in nächster Zeit etwas einfinden, allerdings braucht es Zeit bis ich hier alles verstehe... Das ist auch so eine Hürde für mich: fast niemand hier spricht Englisch. Von den Mitarbeiter_Innen niemand, von den Student_Innen die meisten auch nicht. Klar ist das einerseits super, da ich mich dann schneller im Spanischen verbessern kann; es dauert aber, gerade wenn man Formalitäten wie Kaution für Geschirr oder Arbeitsvertrag für das Praktikum klären will doch recht lang…und sicher, ob ich das dann auch alles richtig verstanden habe, bin ich natürlich auch nicht…die Spanier hier in Andalusien sprechen nämlich kein verständliches Spanisch, sondern ein Spanisch, über das der Rest der spanischsprachigen Menschen nur wortlos den Kopf schüttelt. Die Sprache verkürzt sich durch Auslassen sämtlicher „unnötiger“ Buchstaben (in deren Fall also gefühlt jeder zweite, vor allem „s“-Laute) zu einem Einheitssingsang, der aus den Betroffenen irgendwie wellenförmig heraussprudelt. Die meisten meiner bisherigen Gespräche beschränkten sich deshalb auf „Hola, qué tal…Gracias…Hasta luego.“
Nunja, an unserem ersten Tag sind wir nach einem Generaleinkauf bei Mercadona (der nur fünf Minuten entfernt ist, juhu) zu Fuß in die Innenstadt gelaufen (ca. 45 Minuten), wobei ich sagen muss, dass mein Freund eindeutig einen besseren Orientierungssinn hat als ich (nachdem ich ihn am Bahnhof verabschiedet hatte, habe ich es geschafft, mich dreimal in der Innenstadt komplett zu verlaufen, und zwar an Orten, die wir die ganze letzte Woche ständig besucht haben…).
Sevilla ist einfach zu beschreiben: Die Stadt ist großartig, bunt und voller Überraschungen. Und riesig. Ja echt, riesig (zumindest für mich, die ich die meiste Zeit bisher in einem 17.000 Einwohner-Kaff gelebt habe). Es ist zwar kein Kairo, aber Dinge liegen schon weiter auseinander, als man von der Karte aus gesehen annehmen könnte. Wir sind lange durch die Altstadt gewandert und haben die vielen tollen Bauwerke Sevillas bewundert, wie zum Beispiel die riesige Kathedrale im Zentrum, die verschiedenen Parks mit ihren Mauern und bunt bemalten Fliesen. Der Baustil enthält oft arabische Muster und viele Verzierungen. Und überall gibt es kleine Gassen, die in noch kleinere Gassen führen, deren Straßen gepflastert sind und deren Hauswände aneinander gereiht schmal und bunt in den Himmel ragen. Vom Metropol Parasol, dem aus Holz konstruierten Pavillon auf dem Plaza de la Encarnación kann man die gesamte Stadt in alle Richtungen überblicken. Un wieder: sie ist riesig.
An diesem ersten Tag, als es gerade dunkel wurde, drückte uns eine Frau einen Flyer für einen Gratis-Sangría im „Duplex“ in die Hand und ich muss sagen, es war die beste Entscheidung der Woche dorthin zu gehen. Wir waren insgesamt dreimal dort und einmal gab es sogar eine Flamenco-Show nebenbei, die ziiiiemlich cool war.
An diesem Abend konnten wir das Lebensgefühl der Stadt in uns aufsaugen; die himmlischen (und sehr günstigen) Tapas haben es mir und auch meinem Freund sehr angetan. Tapas können alle möglichen Gerichte sein, nur eben in sehr kleiner Portion. So haben wir zum Beispiel vier recht unterschiedliche Tapas bestellt, eins mit Tintenfisch, eins mit Hühnchen und Reis…Allerdings hatten wir das Glück, dass unsere Tapas nicht wirklich kleiner waren als eine normale Portion. Paella finde ich persönlich zwar auch sehr lecker, allerdings ist es (meiner Meinung nach) oft relativ wenig zu essen für das Geld. Aber vielleicht habe ich bisher auch einfach noch keine anständige gegessen.

;-) Jedenfalls liebe ich Tapas und wir haben in der vergangenen Woche ständig außerhalb gegessen deshalb .

In den nächsten Tagen habe ich mich um ein paar Dinge gekümmert, bzw. ich habe VERSUCHT mich um ein paar Dinge zu kümmern, allerdings gibt es hier das Verderben eines jeden produktiven, konstruktiven Vorhabens, das da heißt: Siesta.
Die Siesta ist die Pause der Spanier um die Mittagszeit, wie ich mitbekommen habe meistens von 14.00-17.30 Uhr. Danach wird meist bis 21 Uhr gearbeitet. Oder auch nicht.
Es gibt hier ein paar Dinge, die ich erlebt habe in dieser ersten Woche, die mir einen Eindruck über die Mentalität und die Lebensweise hier gegeben haben.
1. Der Fahrradkauf. Ich wollte mir gern ein billiges Fahrrad kaufen, damit ich mobiler bin und gerade von meinem Wohnheim schneller zur Hochschule fahren kann (dauert mit Fahrrad ca. 10 Minuten, aber ohne…ist dieser Weg hart, vor allem bei gefühlten 40 Grad in der Sonne, die Erfahrung habe ich btw. heute gemacht). Ich habe mir bereits eine Sevici-Jahreskarte gekauft, diese super Erfindung kennt man vielleicht bereits aus größeren deutschen Städten; mit der Karte kann man an Stationen, die überall in der Stadt verteilt sind, Fahrräder ausleihen und sie (in der ersten halben Stunde kostenfrei) zu einer beliebigen anderen Station fahren, um sie dort wieder abzugeben. Das macht einen in der Stadt mobil, ist umweltfreundlich und man muss sich nicht Sorgen um sein eigenes Fahrrad machen, das theoretisch immer geklaut und in Einzelteilen auf diversen Märkten weiterverkauft werden könnte. Nunja, da mein Viertel aber so am Rande liegt und von diesen tollen Sevici-Stationen ausgenommen ist, ist es trotz allem besser, noch ein eigenes Fahrrad zu besitzen. Ich habe eine Woche gebraucht. Die Internetangebote waren alle nichts für mich, also wollte ich zum Centerbici, um mir dort ein Fahrrad zu kaufen. Ich habe deren individuelle Siesta-Zeit beachtet, stand IM Laden, wo mir ein Mitarbeiter vor denFahrrädern stehend sagte: „Nein, heute hat der Laden schon zu, heute verkaufen wir keine Fahrräder mehr.“ Es war 17 Uhr, geöffnet war bis 20 Uhr. Auf meinen Hinweis auf die Öffnungszeiten und meinen verwirrten Blick meinte er nur „Nein nein, komm‘ am Montag wieder, es ist schon Freitag, es ist schon Wochenende.“ Als ich Montags darauf kam, war erstmal wieder Siesta, die ich zu dem Zeitpunkt schon wieder total vergessen hatte. Ich muss nun dazu sagen, dass es natürlich nicht so schlimm ist, öfter zu einem Geschäft zu gehen. Wer muss das nicht. Aber das Geschäft liegt von meiner Wohnung aus wirklich sehr sehr sehr weit entfernt und da die Sevici-JahresKarte nur für eine Person gilt, die Sevici-Wochenkarte allerdings nur mit Kreditkarte am Automaten bezahlbar ist und weder ich noch mein Freund eine Kreditkarte besitzen, mussten wir solange laufen, bis ich ein Fahrrad kaufen und wir also beide fahren konnten.
Voller Freude auf das Fahrrad fragte ich nach. „Nein, wir verkaufen hier im Moment keine Fahrräder…wir vermieten diese Fahrräder. Wenn du ein Fahrrad kaufen willst, muss ich dir ein neues aus dem Katalog bestellen.“ Für 300 Euro. Lieber nicht. Der gute Mann riet uns dann aber, zu einem eine dreiviertel Stunde Fußweg weit entfernten, versteckten Fahrradladen zu gehen. Da die City-Tour, die das Erasmusteam ESN der Universidad de Sevilla und der UPO für uns Student_Innen organisiert hatte, um 17.30 Uhr anfing hatten wir noch gut anderthalb Stunden. Als wir den Laden endlich gefunden hatten, mussten wir feststellen, dass er andere Siestazeiten hat als der Laden davor. Bis 18 Uhr. Schade.
Wir kamen dann Abends nochmal und ich bin nun stolze Besitzerin eines etwas freakigen Fahrrads, für das ich bisher noch keinen angemessenen Namen gefunden habe. Später musste ich feststellen, das meine Sevici-Karte wegen eines Fehlers bei der Bezahlung noch nicht aktiviert war. Mit einem Fahrrad darf man kein Bus fahren. Wir sind dann schließlich doch heimgelaufen.

Zu den Ausflügen der ESN kann ich bisher übrigens nur sagen, dass sie wirklich super sind. Derzeit finden die sogenannten „Welcome Weeks“ für die Erasmus-Studenten statt und es gibt eine Menge Dinge zu entdecken und zu erleben. Mit der ESN-Studentenkarte erhält man Rabatte und Sonderangebote in vielen verschiedenen Läden und die Ausflüge sind gut organisiert. Wir sind alle in einer Facebook-Gruppe, die uns über die neusten Pläne und Angebote informiert, an denen man dann ganz unkompliziert teilnehmen kann. So hatte ich mich zusammen mit meinem Freund, der freundlicherweise auch mitfahren durfte, für die Fahrt zu den „Calas de Roche“, einer wunderschönen Buchtlandschaft am Atlantik, angemeldet. Wir verbrachten den gesamten letzten Sonntag bei 35 Grad an diesem wunderschönen Sandstrand, tranken Sangría und bekamen den Sonnenbrand unseres Lebens :-p. Abends gab es noch Paella, die vom Orga-Team selbst gekocht wurde. Das Orga-Team besteht aus ehemaligen Erasmus-Teilnehmer_Innen, die den Einstieg für die „Neuen“ erleichtern wollen. Ich habe mich jetzt schon für den kommenden Sonntag angemeldet, dann fährt die ganze Gruppe nach Bolonia zum Strand, hehe.
Ansonsten waren wir mit einem Teil der Gruppe gestern noch im Alcázar. Ich weiß, dass die Geschichte natürlich wichtig ist etc. etc., aber mir bleibt es vor allem im Gedächtnis, weil dort ein Teil von Game of Thrones gedreht wurde :-D. Es hat eine wirklich faszinierende Architektur und mein Freund meinte bei näherem Hinsehen, dass die Wände und Decken, die einfach nur aussehen als seien sie übermäßig verziert und verschnörkelt, voller arabischer Schriften waren. Wir hatten allerdings nicht sehr viel Zeit, da der Palast zumachen sollte und außerdem ein gewaltiges Gewitter aufgezogen ist. Ich muss dort unbedingt nochmal hin.

Asonsten habe ich meinen Freund heut zum Bahnhof gebracht und schlafe jetzt zum ersten Mal allein in der Wohnung, auf meine zukünftige Mitbewohnerperson wartend.

Eigentlich wollte ich noch von der nicht enden wollenden Suche nach dem Internet im Wohnheim berichten, aber das ist gerade einfach zu deprimierend. Jetzt, wo ich gerade nachts um 3 Uhr diesen Blog schreibe, frage ich mich, von wo aus ich ihn wohl veröffentlichen werde, und besser noch, wann. Nur noch so viel: Fakt ist, dass die PCs unten so voller Viren und Spam sind, dass sich mit dem einen Fenster, das man selbst öffnen will, gleichzeitig noch fünf andere öffnen, die dann irgendetwas tun, was man ganz und gar nicht will. Für die Konfiguration war ich heute zum ersten Mal an der Universidad Pablo de Olavide, die einen doch sehr großen Campus (im Vergleich zu Coburg zumindest :-D) hat. Zu Fuß ist der Weg vom Wohnheim übrigens doch sehr weit. Glücklich ist, wer ein Fahrrad hat. Am Campus haben sie mich erstmal von dem einen Büro, das ich grad noch so gefunden habe, ganz zum anderen Ende zu einem anderen Büro geschickt, weil ich noch irgendein Papier oder was weiß ich brauchte. Das Büro hatte zu. Öffnungszeiten: bis 18 Uhr. Es war 17 Uhr. „Nene, die haben heute früher Schluss gemacht.“ Ende der Erklärung.

Von der Siesta direkt in den Feierabend.

*Ausrufezeichen_verkehrt_herum*Buenas noches!


Von den üblichen Plänen und Planlosigkeiten.

Sonntag, 09.08.2015

Da bin ich wieder :-)
Mein Auslandspraktikum in Ägypten ist nun schon fast ein Jahr her und ich denke oft noch voller Freude an diese einmalige Zeit zurück. Nun steht in meinem Studium allerdings noch ein weiteres Auslandssemester an und da mich schon seit langem das Fernweh plagt, kommt mir das gerade recht!
Diesmal geht es nach Sevilla, einer (wie ich gehört habe) wunderschönen großen Stadt in Spanien. Ich bin dort im Rahmen des Erasmus + Programms ca. 5 Monate zum Studium an der Universidad Pablo de Olavide.
Am 1. September geht’s los und ich bin schon sehr aufgeregt…und vor allem habe ich noch nicht so wirklich einen Plan! Meine Spanischkenntnisse sind derzeit eher…mittelmäßig. Um nicht zu sagen, ich habe keine Ahnung, wie ich meinen Wohnungsantrag, den Weg zur Uni oder sonst irgendetwas dort vor Ort erklären bzw. erfragen soll. Ich habe mich für ein soziales Wohnprojekt der Universität, der „residencia universitaria Flora Tristán“ beworben. Im Projekt des Stadtteils werde ich während meines Studiums der Sozialen Arbeit dort eine Art Praktikum machen. Ich weiß allerdings noch überhaupt nicht, wie das alles laufen wird und die ewig langen, in Fachspanisch geschriebenen Erklärungen lassen selbst meine spanischsprachigen Freunde hier verzweifeln. Das wird noch was…

Hier bin ich allerdings noch mit den üblichen Dingen beschäftigt, die man vor so einer Auslandsreise beachten und klären muss. Neben Zwischenmieter-Suche und Zeug zusammenpacken habe ich mir jetzt einen Flug nach Madrid gebucht, da die „Billigflüge“ von den naheliegenden Flughäfen immer mindestens einen Tag dauern mit Aufenthalt irgendwo :-P, bzw. es nur Handgepäck gibt und das Hinzubuchen von Gepäck dann wieder relativ teuer wäre. Von Frankfurt nach Madrid hingegen habe ich 23kg Freigepäck; von Spaniens Hauptstadt fährt dann, wie ich in Erfahrung bringen konnte ein Schnellzug direkt nach Sevilla. Ich mache mir da keine Sorgen, Ägypten hat mich Spontaneität gelehrt :-P. Irgendwie komme ich schon an.

Ansonsten habe ich mich (für diejenigen von euch, die auch planen und gern wissen möchten, wie andere das so machen) beim ADAC krankenversichern lassen (Unfallschutz habe ich bei denen schon). Ich denke, dass es (ganz egal bei welchem Anbieter) ganz nützlich ist, neben der Europäischen Krankenversicherung, die jeder praktisch schon mit seiner Gesundheitskarte hat, noch eine weitere Versicherung abzuschließen, die u.a. auch Dinge wie Krankenrücktransport etc. umfasst. Ich will nichts beschwören und Gott sei Dank ist mir bisher nie etwas passiert auf meinen Reisen, aber sollte mal etwas sein, muss ich mir keine Sorgen machen.

Einige Abschiede habe ich schon hinter mich gebracht, morgen kommt dann der Abschied von meinen beiden besten Freundinnen und Mitbewohnerinnen, die ab Mitte August in Kopenhagen studieren werden. Für eine Weile Adé zu sagen ist nicht immer leicht…aber ich glaube, dass es der richtige Weg ist, diese Reise allein zu machen. Und das Gefühl, diejenige zu sein, die sich verabschiedet, um allein aufzubrechen kenne ich bereits.

 

Beim Gedanken an das kommende Semester bin ich schon ziemlich nervös, freue mich aber tierisch. Ich werde euch auf dem Laufenden halten und hoffe, dass ihr wieder dabei seid. ;-)